Im Trott gefangen

“Er lebte im Trott und hielt das für Konsequenz.”
Dr. Michael Rumpf

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Heute Morgen nach dem Aufstehen dachte ich so: “Oh toll, jeden Tag dasselbe. Ich stehe auf und muss dann aufpassen, dass ich auf keine Katze trete.” Ich gehe dann auf die Toilette und manchmal kommt eine Katze ins Bad und verschwindet dann wieder.

Wenn das erledigt ist, kümmere ich mich um das leibliche Wohl der kleinen Katzen. Ich muss immer aufpassen, dass ich nicht auf sie trete oder stürzte. Danach kümmere ich mich um das frische Erbrochene der Katzen, weil das Essen ja so spät kam – es ist quasi eine Trotzreaktion. (Da frage ich mich, was wild lebende Katzen machen, denn da kommt das Essen ja auch nicht zu ihnen.)

Dann mache ich mir Kaffee und Frühstück. Dabei muss ich erneut aufpassen, dass ich nicht auf die Katzen trete, denn jetzt könnte es ja lecker Wurst oder Käse geben, und wenn das getan ist und alles vorbereitet ist, kümmere ich mich um meine Medikamente und um alles drum herum.

Ja und dann kann ich endlich essen, wobei mir dann mindestens 6 hungrige Katzenaugen zuschauen. Als ob sie nicht vorher was zum Essen hatten, aber dass Tiere nach Essen betteln, kennt sicher jeder Tierbesitzer. Deshalb gibt es dann auch mal was Leckeres vom Tisch aus für sie.

Dann folgt das Normale, was man so macht. Haushalt und PC – samt vorbereiten, schreiben, und, und, und. Das mache ich dann so bis um 19 Uhr. Zwischendurch mache ich mir dann wieder was zu essen und muss noch immer aufpassen, dass ich nicht auf die Katzen trete.

Die haben dann so von 17 Uhr an Hunger und bekommen normal so zwischen 18 und 19 Uhr was zu fressen. Aber wenn ich mir dann was mache, muss es nur besser sein für die Katzen. Wobei ihr Essen meist teurer ist, als das, was ich esse.

Danach gehe ich ins Wohnzimmer und mache den Lappy an und schaue da noch, was so im Netz abgeht. Manchmal bereite ich dann was vor für den Podcast, Blog oder neue Videos. Meist gehe ich dann so zwischen 22 und 23 Uhr schlafen.

Das mache ich jeden Tag so, es sei denn, ich habe Termine oder Besuch. Dann verschiebt sich das ein oder andere, aber im Grunde läuft das jeden Tag so ab und jetzt zum ersten Mal dachte ich: “Oh nein, jeden Tag dasselbe. Immer derselbe Scheiß.”

Vor ein paar Wochen war das so, dass mir das Ganze Sicherheit gegeben hat. Als Borderliner machen solche Rituale Sinn, denn ich habe ja etwas, das jeden Tag gleich ist. Das gab mir Sicherheit, aber warum ist es seit ein paar Tagen anders?

Ich mag das nicht mehr. Ich will wieder mehr Spontanität im Leben haben. Ich will nicht wissen, was ich die nächsten 7 Tage essen werde, weil es eh im Grunde dasselbe ist. Sogar die Mengen sind identisch. Normal ist was anderes.

Seit es so krasse Veränderungen in meinem Leben gab, dachte ich eigentlich, dass ich jetzt noch exzentrischer werde und noch mehr Rituale haben werde, um wenigstens das als Konstante zu haben, wenn schon mein Vater nicht mehr da ist, aber genau das Gegenteil ist passiert.

Wie ich das jetzt genau finde, weiß ich noch nicht. Zumindest fühlt es sich besser an als der Gedanke, immer dasselbe zu machen – oder machen zu müssen.

Wie geht ihr mit so was um oder kennt ihr so was von euch selbst?

Euer Sascha

Autor: Sascha Markmann

Legastheniker am Werk ( Mehrfaches lesen meiner Postings kann zu irreparable Schäden am den Augen führen zb. Pseudotumor-cerebri-Syndrom ) Leicht gestörter bis Mittel schwerer Fall von Überlebens Künstler, Maler,Blogger, Musiker, Podcaster und Video Produzenten "Audiovisueller STUMPFSINN mit keinem Nutzwert"

3 Gedanken zu „Im Trott gefangen“

  1. Lieber Sascha, mach, was dich glücklich macht und mach dich nicht zum Sklaven des Alltags. Obwohl mir deine Katzen da vielleicht nicht zustimmen würden. Gefangen in der täglichen Routine sind wir wohl alle in unterschiedlich starkem Maße. Ich kenne so viele Menschen, die nur für den Jahresurlaub leben oder für den Gedanken, bald in Rente zu gehen und finde sowas maßlos schade. Leider fällt uns das Glück meist nicht in den Schoss, sondern will erkämpft werden und leider hat das Leben keinen Sinn für Gerechtigkeit. Trotzdem lohnt es sich nach Dingen zu suchen, die uns ausfüllen und glücklich machen. So, genug der Plattitüden. Raus in die Sonne.

  2. Lieber Sascha, gerade nach großen Ereignissen im Leben – wie dem Verlust deines Vaters, überdenkt man sein eigenes Leben. Die Lücke, die dieser Mensch hinterlässt (die Gespräche, die miteinander verbrachte Zeit), möchte gefüllt werden. Und dies geht nur über Veränderung. Also lass es zu 🙂

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