Der lange Weg zur Borderline-Diagnose: Ein persönlicher Bericht

“Gefangen in der Depression: Wie die Borderline-Diagnose mein Leben veränderte”

Lesezeit

8 Minuten

In der Suche nach unserer wahren Identität, unserer inneren Wahrheit, begegnen wir oft einem komplexen Labyrinth. Meine eigene Reise zur Borderline-Diagnose war ein solcher verwirrender Pfad, gekennzeichnet von vielen Hindernissen, unzähligen Aufenthalten in Kliniken und einer schier endlosen Anzahl an Gesprächen mit Psychologen. Doch am Ende dieses mühevollen Weges fand ich die Erleuchtung und die Erklärung für mein inneres Chaos. In diesem Beitrag möchte ich meine Reise mit euch teilen, die Reise, die von Zweifeln und Unsicherheiten zu Klarheit und Erleichterung führte.

Meine Odyssee begann mit einer mittelgradigen depressiven Episode, die mich dazu trieb, die örtliche Psychiatrie aufzusuchen. Mein Ziel war es, medikamentös behandelt zu werden und vielleicht auch endlich eine Antwort auf die Frage zu finden, was mit mir nicht stimmte. Die Diagnose war zu diesem Zeitpunkt noch ein weit entfernter Horizont, ein Rätsel, das ich unbedingt lösen wollte.

Nach einer Vielzahl von Untersuchungen – sowohl körperlicher als auch psychologischer Natur – begann der Prozess der Medikamenteneinstellung, der im Laufe der Zeit immer wieder angepasst wurde. Nach etwa 12 Wochen wurde ich das erste Mal aus der Klinik entlassen, doch dieses Szenario wiederholte sich in den folgenden Jahren mehrmals.

“Gespräche mit anderen Patienten”

Während meiner Klinikaufenthalte begann ich, Gespräche mit anderen Patienten zu führen, die ebenfalls mit der mysteriösen Borderline-Persönlichkeitsstörung kämpften. Es war erstaunlich, wie viele Parallelen ich in ihren Geschichten entdeckte. Auch meine Gespräche mit einer Arbeitskollegin, die selbst mit Depressionen und Borderline zu kämpfen hatte, bestätigten mir immer wieder, dass es da draußen Menschen gab, deren Erlebnisse und Emotionen meinen eigenen Erfahrungen ähnelten.

Im Vergleich zu denjenigen, die “nur” unter Depressionen litten, fand ich mich viel stärker mit den Menschen verbunden, die die Herausforderungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung bewältigten. Doch trotz dieser Erkenntnis stieß ich immer wieder auf Widerstand, wenn ich die Idee äußerte, dass auch ich von dieser Störung betroffen sein könnte. Die Fachleute, Ärzte und Therapeuten beharrten darauf, dass meine Probleme auf eine Depression oder eine depressive Persönlichkeit zurückzuführen seien, und waren nicht bereit, ihre Meinung zu ändern.

Nach zahlreichen Aufenthalten in verschiedenen Kliniken und einem Zeitraum in einer Tagesklinik keimte in mir die Idee auf, dass eine psychosomatische Reha mir helfen könnte. Man hatte erkannt, dass ich mit Übergewicht zu kämpfen hatte, und ich sah die Chance, während einer solchen Reha mein Leben in eine positivere Richtung zu lenken. Doch diese Rehaklinik lag nicht in meiner unmittelbaren Nähe; ich musste durch zwei Bundesländer reisen. Die 16 Wochen, die ich dort verbrachte, sollten jedoch entscheidend für meine Zukunft sein.

Obwohl mein Gewicht in dieser Zeit nur minimal sank, erlebte meine psychische Gesundheit einen erheblichen Aufschwung. Die Depression wurde in den Griff bekommen, und ich benötigte weniger Medikamente. In den Gesprächen mit dem Personal und den Psychologen der Rehaklinik wurde mir vor allem eines beigebracht: Selbstachtsamkeit. Ich hatte in einem anderen Blog-Post die Bedeutung der Selbstachtsamkeit erklärt, doch erst jetzt begriff ich, wie essenziell sie für meine Genesung war.

Die Depression kehrte nach einer Zeit wider zurück, so muste ich wider in die Klinik und ich bemerkte, dass sich die Atmosphäre in der Klinik verändert hatte. Als depressiver Patient hatte man mir viel Freiraum und Zeit gegeben, um mich zu erholen. Doch mit meiner neuen Diagnose änderte sich alles. Die Betreuung wurde straffer, das Personal war direkter und bestimmter – eine bemerkenswerte Veränderung für mich, denn ich hatte mich in der Klinik stets sicher und geborgen gefühlt. Doch plötzlich war alles anders.

Mit einem Anmeldebogen für eine spezialisierte Klinik für Borderline-Patienten wurde ich schließlich aus der Klinik entlassen, nachdem ich diese eigenmächtig verlassen hatte. Es war das letzte Mal, dass ich in einer solchen Einrichtung war.

In der neuen Klinik durchlief ich eine Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die mein Leben nachhaltig veränderte. Die Diagnose Borderline wurde bestätigt, und ich fühlte mich endlich verstanden. Die Therapie war intensiv und fordernd, aber genauso notwendig, um meine Gesundheit wiederherzustellen. Wie bei der Erziehung von Kindern erforderte auch meine Genesung eine gewisse Strenge und Disziplin, um die notwendige Stabilität zu erreichen.

“Ich begann mein Leben aktiv zu gestalten”

Nach der Therapie veränderte sich alles. Ich wurde nicht mehr von der Depression geplagt, ich begann, mein Leben aktiv zu gestalten. So öffnete ich mich für die Liebe anderer Menschen und fand schließlich meine erste Freundin. Ich zog aus meinem Elternhaus aus und wagte den Schritt in eine gemeinsame Wohnung. Diese Beziehung möge nur drei Jahre dauern, aber sie war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Sie machte mich unabhängiger und lehrte mich, wie man in einer eigenen Wohnung und mit einem Partner wächst.

All diese Veränderungen wären nie möglich gewesen, hätte ich nicht beharrlich auf meine Diagnose gedrängt. Ich war zwar depressiv, aber es gab noch eine andere Grundursache, die ich angehen musste. Als ich das Problem endlich in Angriff nahm, änderte sich mein Leben drastisch. Ich lerne immer noch dazu und werde dies wahrscheinlich mein Leben lang tun. Doch es hat sich gelohnt. Fünf Jahre harter Arbeit und Hingabe haben mein Leben transformiert.

An alle, die auf der Suche nach einer Diagnose sind: Bleibt beharrlich und lasst euch nicht entmutigen. Wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas nicht stimmt, besteht darauf, ernst genommen zu werden. In diesem Sinne, liebe Leser, möge meine ausführliche Geschichte euch Mut machen auf eurem eigenen Weg zur Wahrheit und zur Genesung.

Fazit:

Meine Reise zur Borderline-Diagnose war eine Reise der Selbstentdeckung, der Beharrlichkeit und des Wachstums. Sie lehrte mich, wie wichtig es ist, auf die eigenen Gefühle zu hören, professionelle Hilfe zu suchen und nicht nachzugeben, wenn Zweifel und Unsicherheiten auftauchen. Die Geschichte zeigt, dass es möglich ist, sich aus der Dunkelheit der Depression zu erheben und ein erfülltes Leben zu führen, sobald man die richtige Diagnose und Unterstützung erhält. Auf dieser Reise fand ich nicht nur Klarheit über meine psychische Gesundheit, sondern auch Liebe, Selbstachtung und die Stärke, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Möge meine Geschichte allen Mut machen, die auf der Suche nach Antworten sind, und sie ermutigen, niemals aufzugeben.

Euer Sascha.

Tipps zur Borderline-Diagnose:
  1. Selbstreflexion: Achte auf deine eigenen Gefühle und Gedanken. Eine bewusste Selbstbeobachtung kann helfen, Anzeichen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu erkennen.
  2. Offene Kommunikation: Teile deine Gefühle und Erfahrungen mit vertrauenswürdigen Personen. Oft können Freunde und Familie Hinweise geben, die auf eine psychische Herausforderung hinweisen.
  3. Informiere dich: Kenne die Symptome und Anzeichen von Borderline. Informationsquellen wie Bücher, Websites oder Selbsthilfegruppen können hilfreich sein.
  4. Professionelle Hilfe: Suche frühzeitig professionelle Unterstützung bei einem Psychiater oder Psychologen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und einen geeigneten Behandlungsplan zu erstellen.
  5. Beharrlichkeit: Lass nicht locker, wenn du das Gefühl hast, dass deine Diagnose nicht korrekt ist. Deine Gesundheit steht an erster Stelle, und du hast das Recht auf eine genaue Diagnose und adäquate Behandlung.

Borderline-Diagnose

Die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) wird von einem Psychiater oder Psychotherapeuten gestellt. Die Diagnose basiert auf einem ausführlichen Gespräch mit dem Betroffenen, in dem die folgenden Kriterien untersucht werden:

  1. Instabilität der zwischenmenschlichen Beziehungen: Die Betroffenen haben ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in ihren Beziehungen zu anderen Menschen. Sie neigen dazu, andere Menschen idealisieren und dann zu devalvieren (abzuwerten). Sie haben ein großes Bedürfnis nach Nähe und Bestätigung, aber sie haben auch Angst vor Zurückweisung und Ablehnung.
  2. Instabilität des Selbstbildes: Die Betroffenen haben ein unsicheres und instabiles Selbstbild. Sie haben Schwierigkeiten, ein kohärentes Bild von sich selbst zu entwickeln. Sie haben oft ein Gefühl der Leere und des Nichts.
  3. Impulsivität: Die Betroffenen neigen zu impulsivem und selbstschädigendem Verhalten. Sie können sich selbst verletzen, Substanzen missbrauchen, riskant fahren oder impulsiven Sex haben.
  4. Suizidalität: Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko für Suizidalität. Sie haben oft suizidale Gedanken oder Handlungen.

Diagnosekriterien

Um die Diagnose einer BPS zu stellen, müssen mindestens fünf der oben genannten Kriterien erfüllt sein. Die Kriterien müssen in einem Zeitraum von mindestens einem Jahr bestehen und in verschiedenen Lebensbereichen auftreten.

Differenzierung von anderen Störungen

Die BPS kann mit anderen psychischen Störungen verwechselt werden, wie z. B. Depression, Angststörung oder posttraumatische Belastungsstörung. Eine sorgfältige Abklärung durch einen Facharzt ist daher wichtig, um eine korrekte Diagnose zu stellen.

Behandlung

Die BPS ist eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Behandlung erfordert. Die Behandlung besteht in der Regel aus einer Kombination von Psychotherapie und Medikamenten.

Psychotherapie

Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung für die BPS. Die Ziele der Psychotherapie sind, die Betroffenen zu helfen, ihre emotionalen Probleme zu verstehen und zu bewältigen, ihre Beziehungen zu anderen Menschen zu verbessern und ihre Selbstwertgefühl zu stärken.

Medikamente

Medikamente können zur Behandlung von Symptomen der BPS eingesetzt werden, wie z. B. Depression, Angst oder Impulsivität.

Selbsthilfe

Es gibt auch verschiedene Selbsthilfe-Maßnahmen, die Menschen mit einer BPS helfen können. Dazu gehören z. B. Selbsthilfegruppen, Online-Foren und Informationsmaterial.

Autor: Sascha Markmann

Legastheniker am Werk (Mehrfaches lesen meiner Postings kann zu irreparable Schäden an den Augen führen z. B.. Pseudotumor-zerebral-Syndrom) Leicht gestörter bis Mittel schwerer Fall von Überlebens Künstler, Maler, Blogger, Musiker, Podcaster und Video Produzenten "Audiovisueller STUMPFSINN mit keinem Nutzwert"

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