Die Abschweifung 34 Hochbegabung: Segen und Last

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Beschreibung:

Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe der Abschweifung, dem Podcast, in dem ich, Sascha Markmann, herrlich und fast immer vom eigentlichen Thema abschweife. Heute habe ich mir ein Thema vorgenommen, für das ich noch keinen perfekten Titel gefunden habe. Vielleicht passt “Der verborgene Schatz – Leben mit Hochbegabung” am besten.

Hochbegabung – ein Segen und Fluch zugleich. Das Leben mit einer außergewöhnlichen Begabung ist oft geprägt von einzigartigen Chancen und Herausforderungen. Einerseits eröffnen sich Möglichkeiten, die den meisten Menschen verschlossen bleiben; andererseits können soziale Isolation und hohe Erwartungen zu einer Bürde werden. Die Balance zwischen diesen Extremen zu finden, erfordert nicht nur intellektuelle Stärke, sondern auch emotionale Resilienz und soziale Kompetenzen. Hochbegabung ist somit nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine komplexe Aufgabe, die das Leben in vielfacher Hinsicht bereichert und fordert.

In dieser Episode erzähle ich euch, warum ich meine Bildung und Fähigkeiten oft nicht nach außen trage und selten darüber spreche. Meine Geschichte beginnt in der Regelschule, wo schnell klar wurde, dass irgendetwas bei mir anders ist. Eine Untersuchung beim Gesundheitsamt stellte fest, dass ich hochbegabt bin und die normalen Schulen nicht für mich geeignet waren. So fand ich meinen Weg zur Waldorfschule, die damals wie heute Kindern mit speziellen Bedürfnissen andere Möglichkeiten bietet.

Trotz meiner Begabung stieß ich immer wieder auf Herausforderungen, wie Legasthenie, die mir das Lernen schwer machten. Durch gezielte Unterstützung und kleinere Klassen fand ich schließlich meinen Weg und erlebte einen Wendepunkt in der sechsten Klasse, der alles veränderte.

Mein weiterer Bildungsweg führte mich zu verschiedenen Schulen, einer Berufsausbildung als Elektroinstallateur und mehreren Studienabschlüssen. Doch trotz meiner Erfolge zog ich es vor, mein Licht unter den Scheffel zu stellen und meine Fähigkeiten zu verbergen. Erfahrungen von Mobbing und Missgunst prägten mich und ließen mich vorsichtig werden.

In dieser Episode reflektiere ich über die Bildungspolitik, die individuellen Bedürfnisse von Kindern und meine eigenen Erfahrungen, die mir gezeigt haben, dass nicht jede außergewöhnliche Begabung automatisch zu einem erfolgreichen und erfüllten Leben führt.

Lasst uns gemeinsam eintauchen in die Welt der Hochbegabung und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Ich hoffe, ihr findet meine Geschichte interessant und erkennt, dass es wichtig ist, Kinder in ihrer Einzigartigkeit zu fördern und zu unterstützen.

Ich bedanke mich dafür, dass ihr zugehört habt, und freue mich, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder einschaltet, wenn es heißt “Die Abschweifung” oder ein anderes Format hier auf dem Lautfunk, dem Publikationskartell.

Euer Sascha.

Gliederung der Themen:

  • Einführung
  • Begrüßung und Vorstellung des Themas
  • Kurze persönliche Einleitung
  • Was ist Hochbegabung?
  • Definition und Merkmale
  • Unterschiedliche Formen der Hochbegabung
  • Persönliche Erfahrungen
  • Schulzeit und erste Erkenntnisse
  • Wechsel zur Waldorfschule und Anpassungsschwierigkeiten
  • Herausforderungen im Alltag
  • Umgang mit Legasthenie
  • Soziale Isolation und Mobbing
  • Hohe Erwartungen und Leistungsdruck
  • Positive Aspekte der Hochbegabung
  • Chancen und Möglichkeiten
  • Erfolgreiche Bildungs- und Berufswege
  • Strategien zur Bewältigung
  • Emotionale Resilienz und soziale Kompetenzen
  • Unterstützung und Förderung durch Familie und Schule
  • Reflexion und Bildungspolitik
  • Notwendigkeit individueller Förderung
  • Persönliche Gedanken zur Bildungspolitik
  • Abschluss
  • Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
  • Ausblick und Verabschiedung
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Transcript:

[Musik]
Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe der Abspeifung.
Da wo ich herrlich und eigentlich immer, naja fast immer, vom eigentlichen Thema, was ich mir vorgenommen habe, abspeife.
Ich bin Sascha Markmann und sage Hallo.
Das heutige Thema, was ich mir überlegt habe, da weiß ich noch gar keinen Titel für.
Es geht um, warum ich meine Bildung sehr oft, gar nicht so oft nach außen trage,
sondern es wenig bis gar nicht kommuniziere.
Also, ich mache jetzt mal so einen groben Umriss.
Ich war ein Jahr lang auf einer Regelschule und sollte das Jahr wiederholen
und es kam auch der Verdacht auf, dass irgendetwas bei mir nicht stimmt.
Also hatte ich so eine besondere Untersuchung damals beim Gesundheitsamt
und da kam heraus, dass bei mir eine Hochbegabung vorliegt
und dass die normalen Schulen nichts für mich wäre.
Jetzt war das damals so Anfang der 80er Jahre noch nie so ein wirklich Riesenthema,
dass man Kinder, die halt solche speziellen Bedürfnisse haben,
und großartig unterstützt, es sei denn, man wohnt ja in der Großstadt
und ich habe zwar im Ruhrgebiet gewohnt, aber nicht direkt in der Großstadt,
sondern am Rand vom Ruhrgebiet, eher Richtung Grenze Münsterland.
Und einer von den Sozialarbeitern, die dabei waren, meinte dann so,
ob meine Eltern schon mal was von der Waldorfschule gehört hätten.
Und da sagte mein Vater, ja, da hat eine Arbeitskollegin,
mein Vater hat damals als Heil- und Erziehungspfleger gearbeitet,
in einer Wohnstätte für geistig Behinderte,
und die Arbeitskollegin davon, die Tochter, die wäre von der Schule sehr begeistert.
Ja, dann hat man wohl familienintern das besprochen,
ich meine, die Schulen sind ja auch nicht ganz billig,
und da meine Mutter und mein Vater auch bei der Arbeit gegangen sind
und ganz gut verdient haben, redet man jetzt auch über einen etwas größeren Geldbetrag,
den man da so bezahlen muss.
Ja, dann war ich halt auf der Waldorfschule, in einer Klasse so ungefähr mit 40 Leuten.
Und das Interessante an der Schule war gewesen,
dass man die Schule nicht nur mit dem Abitur verlassen konnte,
sondern auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in verschiedenen Bereichen,
also handwerklich, als Erzieher, als Schneider und noch viele andere Sachen.
Ja, da kam dann irgendwann mal so die Vermutung,
weil ich eigentlich nie das Klassenziel wirklich erreicht habe,
das könnte auch sein, dass ich da vielleicht eine Legasthenie oder sowas habe,
oder auch eine Dyskalkulie, und das wurde dann untersucht,
damals in Wittenherdecke, und da kam heraus, ja, Jackpot,
da ist eine Legasthenie vorhanden, also eine stärkere Lese- und Rechtschreibschwäche.
Eine Lese- und Rechtschreibschwäche könnte man mit gezieltem Training halt
wieder rausbügeln, und dann kommt man besser zurecht,
aber bei der Legasthenie ist irgendwie eine Fehlverdrahtung.
Ja, dann hatte man besprochen gehabt, was man da machen könnte,
und dann, die Klasse ist definitiv zu groß für mich,
und man könnte auf meine speziellen Bedürfnisse halt nicht eingehen,
und dann standen wir dann für einen Schulwechsel an,
ich bin dann von der 5. in die 6. Klasse gegangen,
und habe dort in einer sogenannten kleinen Klasse,
wir waren maximal 14 Leute, also die meiste Zeit waren wir irgendwie so immer um die 12,
habe dann dort nach einem halben Jahr so ein Aha-Erlebnis gehabt,
dass irgendwie ich von meiner kindlich verträumten Welt
auf einmal das alles Sinn gemacht hat, was an der Tafel stand.
Das war mitten in der Mathestunde, und ich habe die Aufgaben für die schwachen Schüler gemacht,
dann habe ich auch zu lauter Langeweile die Aufgaben für die starken Schüler gemacht,
und habe dann noch den schwachen Schülern noch geholfen.
Ja, und von dort an war irgendwie alles anders,
da musste ich, bis auf Deutsch oder Englisch,
nicht wirklich Hausaufgaben machen, weil das ist mir alles so zugeflogen.
Ich weiß nicht, kennt ihr den Film "Phenomen"?
Da gibt es so eine Szene, da schaut der Hauptdarsteller so zum Himmel
und sieht auf einmal Licht zu sich kommen, das trifft ihn,
und danach hat er halt besondere Fähigkeiten,
und so ein Erlebnis hatte ich damals in der sechsten Klasse auch gehabt.
Es war kein Licht, aber es machte auf einmal "Peng" in meinem Kopf.
Ja, das ging dann so.
Ich bin dann durch die Jahre so durchgeschlendert,
und irgendwann musste ich dann selbst in Deutsch und Englisch keine Hausaufgaben mehr machen,
das war alles so einfach.
Und ja, Abitur, das ist mir so zugeflogen, das war schon fast geschenkt,
und ich habe dann eine Ausbildung gemacht als Elektroinstallateur, damit ich was habe.
Danach habe ich studiert,
dann habe ich festgestellt, dass ich halt mit Menschen arbeiten möchte
und habe Altenpflege nochmal danach geschoben.
Jetzt muss man sich vorstellen, wie kommt das,
dass ich dann halt mit meinen Talenten und Fähigkeiten gelernt habe,
hinterm Berg zu halten.
Ich bin irgendwann mal, das musst du in der neunten Klasse,
da haben wir mit anderen Klassen zusammen, also immer eine Jahrgangsstufe,
Klassenfahrten gemacht oder Praktikas.
Also in der Waldorfschule macht man auch mit der gesamten Klasse
so eine Art Betriebspraktikum oder Landwirtschaftspraktikum
oder Landvermehrungspraktikum.
Und wir sind halt immer mit einer von den Parallelklassen gefahren.
Und da tauchte das irgendwann mal das erste Mal auf, als man mich so reden hörte,
ich meine, man kannte sich zwar ein bisschen, aber nicht wirklich gut,
dass ich halt einen Spitzname Jesus oder Professor bekommen habe
und dass man sich darauf lustig gemacht hatte,
darüber, wie ich schreibe, weil da sind noch viele Rechtschreibfehler drinnen,
und wie ich rede.
Dann kam, ich glaube, es war in der zehnten Klasse,
dass wir auch bestimmte Unterrichtsstunden zusammen hatten.
An den normalen Schulen, würde man sagen, also Wahlpflichtfächer.
Und wir hatten nicht die Möglichkeit zu wählen,
weil wir haben halt ein paar Wochen lang die eine Sache gemacht,
dann ein paar Wochen die andere Sache, also Metallverarbeitung,
praktische Physik, Elektronik, Schreinern, Textil und Textilgestaltung,
Schneidern und noch viele andere Sachen.
Und da ist den Leuten aufgefallen, dass das einfach alles nicht zusammenpasst.
Und ich habe gemerkt, dass wenn ich nicht so viel von mir preisgebe
und halt ein paar Gänge runterschalte, so von Gang 1 auf Gang 12,
dann habe ich weniger Probleme, weil einfach weniger Hässlichkeiten
oder auch, ich würde schon sagen, fast Mobbing da war.
Weil ich für Nichtstun einfach immer viel bekommen habe.
Ich war der faulste Schüler, ich habe nie Hausaufgaben gemacht
und habe, wenn man das in Noten ausdrückt, 1+ geschrieben bekommen.
Und wenn eine Frage gestellt wurde und keiner in der Klasse Bescheid wusste,
dann hat man mich gefragt, weil die Lehrkörper, die Lehrer wussten.
Er weiß es.
Ja, das hat sich natürlich halt in der Berufsschule auch gezeigt gehabt.
Da hatte man auch relativ schnell den Spitznamen Professor gehabt,
weil ich habe davor mehrere Jahre praktische Physik gehabt
und da haben wir halt Elektronikschaltungen auseinandergebaut, zusammengebaut.
Wir haben einen Computer Winterunterrichts gebaut aus analogen Komponenten,
erst einmal in Röhren, dann einmal aus Transistoren.
Den haben wir selber zusammengelötet.
Und da habe ich drei Monate dran gearbeitet an dem Projekt und viele andere Sachen.
Das ist mir auch alles so leicht gefallen und das hat auf ziemlich viel Missgunst
meiner Mitschüler geführt und da war ich dann ja auch schon erwachsen.
Und während des Studiums war das nicht anders gewesen.
Also die Kommilitonen haben einfach gemerkt gehabt,
dass ich die meiste Zeit mich langweile und Zeit für Blödsinn habe
und nichts wirklich machen muss.
Ja, selbst wie ich die Altenpflege gemacht habe
und dann das ganze medizinische Fachwissen und die ganzen Fachbegriffe,
lateinische oder altgriechische, sind mir auch so alle in den Schoß gefallen,
weil einmal gelesen, zweites Mal gelesen und dann konnte ich es auswendig.
Meine Vorbereitung für Klausuren bestand eigentlich immer nur so,
dass ich mir einen Abend vor die Sachen durchgelesen habe,
mit denen ich mich vorher nie beschäftigt habe und dann konnte ich es.
Ich würde jetzt nicht sagen, dass es ein fotografisches Gedächtnis ist,
aber es ist ein Gedächtnis, das Inhalte wiedergibt.
Nicht wortwörtlich, aber bildmäßig, sondern inhaltlich.
Und ich habe das immer so als Betrügen empfunden.
Meine Mutter hat zum Beispiel keinen einzigen Abschluss von mir gesehen.
Also bis ich 18 war, war klar gewesen, dass ich die Zeugnis unterschrieben werden musste.
Und danach konnte ich das selber machen und seitdem hat das keiner mehr gesehen.
Und auch wenn meine besonderen Leistungen erwähnt wurden
oder ich ausgezeichnet wurde, war mir das eher unangenehm,
weil ich immer das Gefühl hatte, ich betrüge, weil ich dafür nie was getan habe.
Und ich glaube auch, dass der Neid oder auch der Zweifel der anderen dazu gefügt hat,
dass ich extremst unsicher bin, was das ist.
Also die Erfahrung daraus, als ich Legastheniker bin,
dass ich sowieso schon anders über Probleme nachdenke und Problemlösungen finde,
auf die andere überhaupt nicht komme.
Und dadurch werde ich ja immer wieder darauf reduziert, dass ich halt
– du kannst ja nicht richtig lesen und nicht richtig schreiben, aber redest wie ein Professor –
immer ständig darauf reduziert auf Sachen, die du falsch machst und Fehlermaß.
Und ich sehe es, wie viele Menschen so durchs Leben gehen und fundamentale Fehler machen
und denen ist das scheißegal.
Für mich ist das immer ein halber Zusammenbruch, wenn da mal was nicht funktioniert.
Auf jeden Fall denke ich, dass es dazu geführt hat, dass ich einfach
mein Licht ganz weit unter den Scheffel stelle und dann halt nicht so damit hausieren gehe.
Ich mache einen Podcast mit anderen Kollegen über Musik
und da war in der letzten Zeit ein paar Mal die Andeutung,
dass ich mich bei bestimmten Themen rausgehalten habe und nichts mehr gesagt habe,
obwohl ich in den Bereichen abgeschlossenes Studium habe.
Also ich habe ja nicht nur das eine Studium gemacht,
ich habe nach dem Schlaganfall viel Zeit gehabt und musste eine Sinnkrise durchleben
und habe dann aus lauter Langeweile noch ein bisschen mehr studiert
und habe seitdem drei weitere Fächer abgeschlossen.
Und auf jeden Fall, obwohl ich dann in dem und dem Bereich halt einen Abschluss habe,
habe ich dazu nichts gesagt und da habe ich auch gesagt,
dass ich vorsichtig bin mit dem, was ich sage und wie ich es sage und wann ich was sage,
weil ich nicht post-human exmatrikuliert werden möchte.
Das war natürlich der Gag gewesen, aber in Grundgelegenheit genommen ist das halt immer noch so die Angst,
wenn ich mein wahres Potenzial präsentiere und zeige, dass ich dann halt Probleme bekomme.
Ich beschäftige mich in meiner Freizeit stellenweise mit Themen,
womit ich wirklich nur über ganz wenige Menschen sprechen kann.
Ich habe mit 16 ein Tunnelrastermikroskop gebaut.
Das machen andere halt erst, wenn sie Mitte 20 sind, weil sie das für das Studium brauchen oder daran forschen.
Mit dem Tunnelrastermikroskop kann man Atome sichtbar machen,
weil man halt einen physikalischen Effekt ausnutzt, dass wenn man mit einer Spitze aus Wolframen,
wo die Spitze nur einen Durchmesser von einem Atom hat, ganz nah an das Testobjekt herangeht,
wird ein Tunnelstrom fließen und wenn man jetzt in der Lage ist,
ganz fein gerastert über das Teststück drüber zu gehen,
kann man den Tunnelstrom, die Stärke messen und daraus ein Bild generieren.
Das habe ich damals gebaut mit Verstärkerstufen und so weiter,
ohne dass es da irgendwelche Einrauschen gab.
War eine Jahresarbeit.
War ein Jahr lang Arbeit und Forschung.
Das habe ich damals neben der Schule gemacht.
War natürlich ein voller Erfolg gewesen und weit über dem, was man sonst so gewohnt ist,
wenn Schüler da eine Jahresarbeit abgeliefert haben.
Es sind so viele Sachen. Ich musste mal eine computergesteuerte Ampelanlage bauen.
Das habe ich natürlich auch gemacht und handwerklich war das jetzt nicht so perfekt,
aber es war eine Software und dann meinte damals der Schulleiter und auch der Lehrer,
dass es weit über dem ist, was sie halt verstehen.
Für mich waren das einfach so Sachen. Ich habe das an einem Wochenende gemacht.
Ich habe an einem Wochenende das Modell für die Ampelanlage gebaut
und die Software geschrieben und die Elektronik gemacht.
Und so ist das einfach total oft in meinem Leben gewesen.
Ich habe alles auf den letzten Drücker gemacht und habe mich mit vielen anderen Sachen beschäftigt.
Und ja, es würde man meinen, dass ich besonders erfolgreich bin.
Ganz im Gegenteil.
Seit meinem Schlaganfall und dem langen Zeitraum meiner Ausbildungen
hatte ich eine Erwerbsminderungsrente, die auf dem Niveau des Bürgergeldes ist.
Und ich bin froh, dass das Bürgergeld erhöht wurde,
denn jetzt bezahle ich keinen Rundfunkbeitrag mehr, weil ich quasi in dem Bereich drinne bin.
Man kann sehen, dass man mit den Möglichkeiten, die uns auf den Weg gegeben werden,
nicht unbedingt immer sehr erfolgreich sind, dass das nicht erfolgsversprechend ist und man scheitern kann.
Ich sehe mich jetzt nicht als gescheitert an, weil ich jetzt doch, obwohl ich kein Geld habe
und ein Low-Level-Niveau leben führe und angewiesen bin auf Unterstützung,
in vielerlei Sicht auch finanziell, dass ich so viel Zeit habe,
dass ich mich jetzt den Sachen widmen kann, die mich interessieren.
Und nach dem Schlaganfall hatte ich so viel Freizeit gehabt,
dass ich dann halt noch Sachen, die mich interessiert haben
und nicht weil ich da beruflich irgendwie Ambitionen habe, studieren konnte und Abschlüsse machen konnte.
Sogar in einer Zeit, weil ich auch finanzielle Unabhängigkeit habe dadurch,
wovon andere Leute nur träumen können.
Man kann sehen, auch wenn ich jetzt nicht der super erfolgreiche Mensch bin,
dass ich halt meinen Frieden gefunden habe, obwohl ich halt immer noch vorsichtig bin,
dass ich halt mein Potenzial zeige oder nicht.
Es ist sogar so, dass sich das regelrecht schon fast automatisiert hat bei mir,
dass ich Grammatikfehler mache in der Aussprache,
dass ich falsche Formen verwende oder auch Fehler mache bei Singular Plural,
also Einzahl und Mehrzahl und solche Sachen.
Das hat sich einfach so eingeschlichen als Automatismus, um nicht aufzufallen.
Heutzutage, wenn du jemand bist, der intelligent ist und auch überdurchschnittlich intelligent,
dann hast du die Möglichkeit, vernünftig gefördert zu werden.
Zu meiner Zeit war das gewesen, ich stand kurz davor, auf eine Sonderschule geschickt zu werden für Lernbehinderte,
weil ich mich so dermaßen in der Schule gelangweilt habe,
dass ich mich mit allen möglichen anderen Sachen beschäftigt habe,
als denen zu folgen, wie man halt bis 10 zählt.
Unglaublich! Und dass erst so viel später das wahre Potenzial bei mir entdeckt wurde.
Ich kann mich noch mal daran erinnern, wo ich in einer der Schulen war,
im Berufskolleg, genauer gesagt, um eine Zeichenskopie beglaubigen zu lassen,
dass die Lehrer, die ich getroffen habe, sich gefreut haben, mich zu sehen,
weil es mal ein positives Beispiel ist dafür.
Wenn die gewusst hätten, wie faul ich damals war und ich stellenweise Hausaufgaben an der Tafel gemacht habe,
weil ich die Sachen gar nicht wirklich zu Hause ausgearbeitet habe,
sondern wenn es um Mathematik ging, dann konnte ich das so an der Tafel schreiben.
Das war jetzt hier so ein sehr persönliches Gespräch mit euch,
wo ich hauptsache monologisiert habe und mal ein bisschen was erzählt habe.
Ich hoffe, dass ihr es mir nicht böse nehmt, dass ich jetzt nicht mehr weiß, wie abgeschweift bin,
wie ich es sonst gerne tue, sondern dieses Mal da geblieben bin,
ziemlich beim Thema, weil es muss sich was ändern in unserer Bildungspolitik.
Kinder sind nicht alle gleich und ich verstehe nicht, warum ein Kind in dem und dem Alter
oder auch wenn es jünger ist, mit dem und dem Anzahl an Monaten, an Lebenszeit,
das und das können muss, weil der Durchschnitt es kann.
Sondern ich habe gesehen bei meinen Neffen, da ist jeder anders gewesen
und der eine hat sich mehr sprachlich entwickelt und das viel schneller als der andere.
Der andere hat sich motorisch entwickelt und konnte dann, obwohl der andere gelabert hat wie im Wasserfall,
konnte er sich dann aufs Fahrrad, so ein Tretrad, setzen und ist damit über die Schotterpiste geheizt,
als ob er noch nie was anderes gemacht hätte.
Der andere konnte es nicht und so individuell die Kinder sind, so sollte auch Bildung gesehen werden,
weil Bildung ist nicht nur das stumpfe Auswendiglernen von Zahlen und Fakten,
sondern auch das Verstehen, was dahinter steckt, warum manche Prozesse so sind, wie sie sind.
Natürlich, wenn ich Geschichte mache, muss man Zahlen und Fakten kennen,
aber es gibt ja auch Gründe, warum etwas zu etwas geführt hat.
Die französische Revolution ist ja nicht einfach so entstanden, aus sich heraus,
sondern es gab eine Geschichte davor und
so muss man das auch sehen bei Kindern oder auch bei Jungerwachsenen.
Ich war mal in einer Einrichtung während eines Studiums, wo es halt um Wiedereingliederung ging
und da hatte man festgestellt, dass ich anders rede, wie ich schreibe
und da war man im Kollegium sehr verwirrt.
Ich musste mich dann quasi erklären, dass ich Legastheniker bin
und Erwachsene können damit besser umgehen wie andere Kinder,
vor allem im Alter des Erwachsenen, in den jugendlichen Jahren,
wo man versucht, sich selbst zu finden und sich mit anderen vergleicht
und alles, was anders ist als die Normalität, merkwürdig, fällt man damit extremst auf
und die Verletzung und die Zeit hat mich stark geprägt.
Ich hatte vor einiger Zeit mal eine Dokumentation gesehen,
über eine Schule für Hochbegabte, was ein Internat ist,
wo Jugendliche, anstatt das, was Jugendliche sonst so tun,
Zeit totschlagen und irgendwelche ablenkenden Sachen zu machen,
sich wirklich mit komplexen Themen auseinandergesetzt haben und daran Spaß hatten.
Die einen haben Japanisch gelernt, die anderen haben Schachs geübt,
aber dann nicht normal, sondern schon x-Züge im Voraus.
Es wurde wissenschaftlich gearbeitet und das war das erste Mal, wo ich mir gedacht habe,
das hättest du damals haben müssen.
Du hättest halt nicht dieses Außenseitergefühl haben müssen.
Klar sind Leute zu mir gekommen, wenn sie ein Problem hatten in der Schule oder während des Studiums,
aber aufgrund meiner Begabung, meines Fluches, fühlte ich mich nie irgendwie richtig dazugehörig.
Gut, bei meiner zweiten Runde, wo ich studiert habe, nach dem Schlaganfall,
war vieles nicht mehr möglich.
Ich bin ja hauptsächlich mit einem Rollstuhl durch die Gegend geeiert
und habe viel zu Hause studiert und hatte wenig Kontakt mit meinen Kommilitonen,
außer zu den Pflichtveranstaltungen, wo man anwesend sein muss.
Da war das jetzt nicht so das Thema gewesen.
Aber beim ersten Studium, da habe ich es schon gemerkt gehabt,
da war ja Party und machen und so weiter dran und ich habe lieber im Labor gesessen
und habe da meine Forschung gemacht und das hat auch dazu geführt,
dass ich halt wesentlich schneller fertig war wie meine Kommilitonen,
die noch ein paar Semester mehr brauchten.
Ja, das war jetzt wirklich ein Monolog und ich bin doch zum Ende hin ein bisschen abgespaltet.
Ich bedanke mich dafür, dass ihr zugehört habt und würde mich freuen,
wenn ihr auch beim nächsten Mal dabei wieder einschaltet,
wenn es heißt "Die Abschweifung" oder irgendein anderes Format hier auf dem Lautfunk,
dem Publikationskartell.
Ja, da sage ich mal Dankeschön und sage Tschüss, euer Sascha.
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Spieldauer: 0:29:22
Tag der Aufnahme: 08.06.24
Diese Folge stammt aus der Staffel 4, es gibt insgesamt 4 Staffeln.


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Autor: Sascha Markmann

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