Fragt man Menschen nach dem Gegenteil von Liebe, fällt häufig ein Wort: Hass. Die Antwort wirkt im Alltag absolut selbstverständlich. Liebe steht für Zuneigung, Nähe und Fürsorge, während Hass für Ablehnung, Feindseligkeit und Distanzierungswünsche steht. Auf den ersten Blick scheint die Sache eindeutig zu sein. Doch ist sie tatsächlich so unkompliziert?
Betrachten wir ein konkretes Alltagsbeispiel: Ein Paar trennt sich nach zehn gemeinsamen Jahren, in denen sie ihr gesamtes Leben miteinander geteilt haben. Die Trennung verläuft schmerzhaft und verletzend. Wochen später sagt eine der beiden Personen: „Ich hasse ihn.“ Gleichzeitig denkt sie jeden Tag über den ehemaligen Partner nach. Sie liest alte Chatverläufe, überprüft vielleicht dessen Social-Media-Profile, erzählt Freunden immer wieder von der vergangenen Beziehung und spürt eine immense körperliche Anspannung, sobald sein Name fällt.
Diese Person empfindet zweifellos tiefe negative Gefühle – möglicherweise echten Hass. Aber eines lässt sich über diesen Zustand kaum behaupten: Der ehemalige Partner ist ihr gleichgültig. Damit eröffnet sich eine zentrale Frage, die weit über bloße Wortklauberei hinausgeht: Ist Hass wirklich die maximale emotionale Entfernung zu einem anderen Menschen? Oder zeigt die enorme Intensität des Hasses gerade, dass weiterhin eine extrem starke emotionale Beziehung besteht?
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir das scheinbar so simple Konzept des „Gegenteils“ genauer untersuchen und Erkenntnisse aus Philosophie, Psychologie und Soziologie heranziehen.
Was bedeutet „Gegenteil“ bei Gefühlen überhaupt?
Bevor wir bestimmen können, ob Hass das Gegenteil von Liebe ist, müssen wir klären, was wir mit einem „Gegenteil“ überhaupt meinen. In der Logik oder der Physik sind Gegensätze oft recht simpel strukturiert: Ein Zustand schließt den anderen aus (z. B. wahr oder falsch). Doch menschliche Emotionen funktionieren nicht wie binäre Schalter. Ein Mensch kann gegenüber einem langjährigen Freund gleichzeitig Zuneigung empfinden, aber auch tiefe Enttäuschung über einen Vertrauensbruch spüren [1].
Ein Gegensatz der Bewertung (oder Valenz) funktioniert wie eine Skala von positiv bis negativ. Auf dieser Achse passen Liebe und Hass tatsächlich sehr gut als Gegenpole zusammen. Liebe ist typischerweise stark positiv, Hass stark negativ bewertet.
Doch was passiert, wenn wir einen Gegensatz der Intensität und Bedeutung anlegen? Auf einer Skala, die von bedeutungslos bis extrem wichtig reicht, liegen Liebe und Hass plötzlich nicht mehr an entgegengesetzten Enden. Beide Zustände können mit hoher emotionaler Bedeutung und Aufmerksamkeit verbunden sein.
Das Zwei-Achsen-Modell: Eine analytische Perspektive
In der Emotionspsychologie gibt es etablierte dimensionale Modelle – berühmt ist etwa Russells Circumplex-Modell, das Affekte unter anderem über Valenz (Lust/Unlust) und Aktivierung (Arousal) beschreibt [2].
Für unsere Fragestellung lässt sich ein vereinfachtes Zwei-Achsen-Denkmodell verwenden. Es ist kein eigenständiges psychologisches Diagnose- oder Standardmodell, sondern soll sichtbar machen, dass die Bewertung eines Menschen und seine emotionale Bedeutung zwei unterschiedliche Fragen sind:
- Dimension A (Bewertung/Valenz): negativ ↔ positiv
- Dimension B (Emotionale Bedeutung): gering ↔ hoch
Tragen wir unsere alltäglichen Gefühle in dieses Raster ein, ergibt sich ein wesentlich differenzierteres Bild:
| Emotionaler Zustand | Bewertung (Valenz) | Emotionale Bedeutung |
|---|---|---|
| Liebe | stark positiv | typischerweise hoch |
| Hass | stark negativ | kann hoch bis sehr hoch sein |
| Sympathie | positiv | variabel |
| Abneigung | negativ | häufig geringer |
| Gleichgültigkeit | neutral bzw. schwach | gering |
Dieses Denkmodell verdeutlicht: Wenn wir nach dem Gegenteil von Liebe suchen, kommt es radikal darauf an, welche Achse wir betrachten. Geht es um die Bewertung, ist Hass der logische Gegenpol. Geht es dagegen um emotionale Bedeutung, lässt sich Gleichgültigkeit als Gegenpol verstehen.
Was bedeutet das für unser Verständnis von zwischenmenschlichen Beziehungen? Ein Blick in die Philosophiegeschichte liefert erste Antworten.
Was die Philosophie über Liebe und Hass sagt
Die Philosophie beschäftigt sich seit Jahrtausenden mit den Konzepten von Liebe, Begehren, Freundschaft und Feindschaft. Dabei gibt es nicht „die eine“ philosophische Definition von Liebe. Die philosophische Fachliteratur unterscheidet traditionell vor allem Eros, Agape und Philia – wobei auch diese Begriffe historisch und philosophisch keineswegs jeweils eine einzige feste Bedeutung besitzen [3]. Dennoch lassen sich in vielen Traditionen strukturelle Gemeinsamkeiten finden.
Liebe als Form der Hinwendung
Eine verbreitete philosophische Betrachtung versteht Liebe als eine besondere Form der Hinwendung. Wenn wir jemanden lieben, richten wir unsere Aufmerksamkeit gezielt auf diese Person. Wir interessieren uns für ihre Gedanken, Bedürfnisse und ihr Wohlergehen. Liebe ist in diesem Sinne ein Akt, der unsere Aufmerksamkeit strukturiert [4].
Das Interessante daran: Auch Hass strukturiert unsere Aufmerksamkeit massiv. Intensiver Hass kann ebenfalls dazu führen, dass sich Aufmerksamkeit und Gedanken immer wieder auf die betreffende Person richten. Der Unterschied liegt primär im Ziel dieser Hinwendung. Die Liebe wünscht dem anderen Gutes, der Hass wünscht möglicherweise das Scheitern. In solchen Fällen besteht eine wichtige Gemeinsamkeit: Die andere Person besitzt weiterhin eine hohe emotionale Relevanz.
Aristoteles und Spinoza: Affekte und Bezogenheit
Bereits Aristoteles räumte der philia eine zentrale Rolle ein, die wesentlich breiter gefasst ist als unser modernes Wort „Freundschaft“. Bei der vollkommenen Freundschaft spielt das Wünschen des Guten für den anderen um seiner selbst willen eine zentrale Rolle [5]. Aristoteles hilft uns damit zunächst, positive Bezogenheit genauer zu bestimmen.
Für unsere Fragestellung lässt sich daran anschließend eine weitere Überlegung entwickeln: Auch Feindschaft bedeutet nicht zwingend Beziehungslosigkeit. Zwei Menschen können einander ausgesprochen negativ gegenüberstehen und dennoch ihr Denken und Handeln stark aneinander ausrichten.
Noch greifbarer wird dies im 17. Jahrhundert bei Baruch de Spinoza und seiner Affektlehre. Spinoza definiert Liebe vereinfacht als Freude, verbunden mit der Vorstellung einer äußeren Ursache. Hass ist entsprechend Traurigkeit oder Unlust, ebenfalls verbunden mit der Vorstellung einer äußeren Ursache [6].
Damit erscheinen Liebe und Hass bei Spinoza auf den ersten Blick als Gegensätze (Freude vs. Traurigkeit). Doch auch hier zeigt sich die Gemeinsamkeit: Beide Gefühle richten sich unvermeidlich auf ein Objekt. Überträgt man Spinozas Überlegung auf unsere Ausgangsfrage, lässt sich daraus eine interessante Folgerung ziehen: Gleichgültigkeit wäre nicht der negative Affekt gegenüber einem Objekt, sondern das Nachlassen seiner affektiven Bedeutung. Das ist allerdings bereits eine Interpretation unserer Fragestellung und nicht Spinozas eigene Definition des Gegenteils von Liebe.
Was bedeutet das für die ursprüngliche Frage?
Die Philosophie zeigt, dass Gleichgültigkeit nicht einfach eine abgeschwächte Form von Hass ist. Der philosophische Gegensatz zur Liebe muss nicht notwendigerweise der Hass sein, sondern kann auch das Verschwinden der Beziehung bedeuten.

Warum Liebe und Hass psychologisch näher beieinanderliegen können
Aus Sicht der Psychologie wird die Untersuchung noch präziser. In der Psychologie bezeichnet Valenz vereinfacht die Frage, ob wir etwas positiv oder negativ erleben. Auf dieser Ebene sind Liebe (positiv) und Hass (negativ) tatsächliche Gegensätze. Es ist diese psychologische Dimension, die unsere Alltagssprache prägt.
Aktivierung und Aufmerksamkeit
Emotionen unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrer Richtung, sondern auch in der Aktivierung (Arousal). Dies beschreibt, wie stark ein Gefühl unser körperliches und mentales System in Alarmbereitschaft versetzt.
Sowohl Liebe als auch Hass können eine extrem hohe Aktivierung erzeugen. Der inhaltliche Kern der Emotion ist gegensätzlich, die kognitive und physische Intensität, mit der das Gehirn Ressourcen für diese Person bereitstellt, kann jedoch frappierend ähnlich sein.
(Ein interessanter Exkurs: Eine ältere fMRT-Studie mit 17 Teilnehmenden fand bei interpersonellem Hass ein von romantischer Liebe verschiedenes Aktivierungsmuster, berichtete jedoch Überschneidungen unter anderem in Putamen und Insula [7]. Die Autoren betrachteten dies als interessante Gemeinsamkeit beider Zustände; aufgrund der kleinen Stichprobe und der begrenzten Aussagekraft solcher Aktivierungsmuster sollte daraus jedoch keine einfache neurobiologische Gleichsetzung von Liebe und Hass abgeleitet werden.)
Die Dynamik von Trennungen
Das erklärt auch, warum nach dem Ende einer Partnerschaft Gefühle oft so drastisch umschlagen können. Person A und B waren jahrelang zusammen, nach einer schmerzhaften Trennung wechseln die Gefühle von Liebe zu massiver Enttäuschung und Wut.
Bedeutet das, dass sich die Beziehung in ihr komplettes Gegenteil verkehrt hat? Eine mögliche Interpretation ist, dass sich die Bewertung stark verändert hat, während die emotionale Bedeutung zunächst hoch bleibt [8]. Der ehemalige Partner ist psychisch immer noch omnipräsent. Erst viel später, wenn die Relevanz abnimmt, macht sich der eigentliche Unterschied zwischen Hass (starke negative Bezogenheit) und Gleichgültigkeit (geringe aktuelle emotionale Relevanz) bemerkbar.
Die Realität der Ambivalenz
Menschen können widersprüchliche Gefühle gleichzeitig erleben. Psychologisch wird diese Gleichzeitigkeit gegensätzlicher Bewertungen oder Gefühle als Ambivalenz beschrieben [9]. In der Fachliteratur wird die Koexistenz von Liebe und Hass sogar häufig als klassisches Beispiel hierfür behandelt.
Ein typisches Beispiel: „Ich liebe meine Mutter, aber gleichzeitig hasse ich, wie sie mich in Konfliktsituationen manipuliert und abwertet.“ Diese Gefühle schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern existieren nebeneinander. Emotionen sind keine Lichtschalter, die umgelegt werden.
Hass ist keine Wut und keine Abneigung
Um psychologisch präzise zu bleiben, müssen wir Hass deutlich von Wut und Abneigung abgrenzen. Empirische Untersuchungen zeigen charakteristische Unterschiede in Intensität, Aktivierung und Bedrohungswahrnehmung [10].
Während sich Wut häufig auf ein konkretes Verhalten oder Ereignis richten kann („Ich bin wütend über deine Aussage“), kann sich Hass stärker auf die Person oder Gruppe als Ganzes beziehen. Aus der Ablehnung einer Handlung kann dann eine wesentlich umfassendere negative Bewertung des Gegenübers werden. Hass ist psychologisch betrachtet oft eine intensive negative Bezogenheit. Im Rahmen unseres Denkmodells würde Gleichgültigkeit dagegen einen Zustand deutlich geringerer emotionaler Bezogenheit markieren.
Die soziologische Perspektive: Gefühle, die Gesellschaften formen
Die Soziologie fragt: „Welche sozialen Strukturen und Beziehungen entstehen durch diese Gefühle?“ Dass Liebe, Zuneigung und Solidarität soziale Systeme (Partnerschaften, Familien, Gesellschaften) stabilisieren, ist offensichtlich.
Das Paradoxon: Wie Hass Gemeinschaft erzeugt
Auch Hass kann enorme Gemeinschaft erzeugen. Eine Gruppe, deren Mitglieder untereinander kaum gemeinsame Interessen teilen, kann durch ein gemeinsames Feindbild fest zusammenhalten. Aus individueller Ablehnung entsteht eine „Wir-gegen-die“-Dynamik.
Sozialpsychologie und Soziologie erklären dies oft über das Konzept von Ingroup („Wir“) und Outgroup („Die anderen“) [11]. Gruppen können ihre Identität stärken, indem sie Fremdgruppen abwerten. Die Identität der Gruppe entsteht dann nicht aus sich selbst heraus, sondern durch die Abgrenzung. Das Feindbild kann dadurch erhebliche soziale Bedeutung erhalten. Ohne die dauerhafte Abgrenzung gegenüber diesem Gegner würde er für die Gruppenidentität möglicherweise eine wesentlich geringere Rolle spielen.
Onlinekultur als modernes Labor: Anti-Fandom
Die Onlinekultur veranschaulicht die Verwandtschaft von obsessiver Zuwendung und obsessiver Ablehnung besonders gut – etwa beim Anti-Fandom (oder Hate-Watching) [12].
Fans und Anti-Fans können erstaunlich ähnliche Praktiken entwickeln: Beide verfolgen Inhalte, sammeln Informationen, diskutieren über eine Person oder ein Werk und beteiligen sich an Communitys. Ihre Motivation, Bewertung und die soziale Funktion dieser Beschäftigung können jedoch grundverschieden sein. Für beide kann der Creator dadurch aber einen erheblichen Teil ihrer alltäglichen Medienaufmerksamkeit beanspruchen. Eine auffällige Gemeinsamkeit liegt in der hohen Aufmerksamkeit, während Bewertung und Motivation stark auseinandergehen.
Nehmen wir ein hypothetisches YouTube-Beispiel: Ein Kanal verstrickt sich in einen Konflikt mit einem anderen Creator. Es folgen Reaktionsvideos, Livestreams und unzählige Kommentare. Nach Monaten dreht sich ein gigantischer Teil der Identität dieses Kanals nur noch um den vermeintlichen Gegner, auch wenn behauptet wird: „Eigentlich ist uns diese Person völlig egal.“
Wir diagnostizieren hier nicht die innere Gefühlswelt der Beteiligten, aber wir beobachten die soziale Struktur: Wenn diese Person tatsächlich irrelevant wäre, würde sie nicht dauerhaft die Aufmerksamkeit tausender Menschen binden. Der Gegner ist zum tragenden Bestandteil der eigenen Gruppenidentität geworden.
Fazit: Es kommt darauf an, welche Dimension wir betrachten
Die scheinbar einfache Alltagsfrage „Ist Hass das Gegenteil von Liebe?“ besitzt keine eindimensionale Antwort, weil Emotionen selbst nicht eindimensional sind. Sie besitzen nicht nur eine Richtung, sondern auch Intensität, Bedeutung, ein Objekt der Aufmerksamkeit und soziale Funktionen.
Sucht man nach dem ultimativen Gegenteil, muss man die Ebenen konsequent trennen:
- Auf der Ebene der Bewertung (Valenz): Hier sind Liebe und Hass Gegensätze. Das eine ist typischerweise stark positiv, das andere stark negativ bewertet.
- Auf der Ebene der emotionalen Bedeutung: Hier kann Gleichgültigkeit als Gegenpol verstanden werden. Während Liebe eine hohe persönliche Relevanz des Gegenübers voraussetzt, bezeichnet Gleichgültigkeit gerade das Fehlen oder starke Nachlassen dieser Relevanz.
- Auf der Ebene von Aufmerksamkeit und Aktivierung: Liebe und Hass können beide mit intensiver Beschäftigung und hoher emotionaler Aktivierung einhergehen – ohne deshalb psychologisch dasselbe zu sein.
Liebe und Hass können also auf einer Dimension Gegensätze und auf einer anderen strukturell verwandt sein.
Zusammenfassend lässt sich das Verhältnis der drei Zustände am besten so beschreiben:
- Liebe sagt: Du bedeutest mir viel – und ich bin dir positiv zugewandt.
- Hass sagt: Du bedeutest mir viel – aber meine Beziehung zu dir ist zutiefst negativ.
- Gleichgültigkeit sagt: Du bestimmst mein emotionales Erleben kaum noch.
Manchmal liegt die größere emotionale Distanz deshalb nicht im Hass, sondern in dem Moment, in dem der andere kaum noch eine emotionale Reaktion auslöst.
Quellen und weiterführende Literatur
- Larsen, J. T., McGraw, A. P., & Cacioppo, J. T. (2001). Can people feel happy and sad at the same time? Journal of Personality and Social Psychology, 81(4), 684–696.
- Russell, J. A. (1980). A circumplex model of affect. Journal of Personality and Social Psychology, 39(6), 1161–1178.
- Krebs, A. (2001). Liebe und Illusion. Suhrkamp, Frankfurt am Main.
- Frankfurt, H. G. (2004). The Reasons of Love. Princeton University Press.
- Aristoteles (2006). Nikomachische Ethik (Übers. U. Wolf). Rowohlt, Reinbek (Buch VIII & IX).
- Spinoza, B. d. (1677/1999). Die Ethik nach geometrischer Methode dargestellt (Teil III: Von dem Ursprung und der Natur der Affekte). Reclam, Stuttgart.
- Zeki, S., & Romaya, J. P. (2008). Neural Correlates of Hate. PLoS ONE, 3(10), e3556.
- Sbarra, D. A., & Emery, R. E. (2005). The emotional sequelae of nonmarital relationship dissolution: Analysis of change and intraindividual variability over time. Personal Relationships, 12(2), 213–232.
- Conner, M., & Sparks, P. (2002). Ambivalence and attitudes. European Review of Social Psychology, 12(1), 37–70.
- Fischer, A., Halperin, E., Canetti, D., & Jasini, A. (2018). Why We Hate. Emotion Review, 10(4), 309–320.
- Tajfel, H., & Turner, J. C. (1979). An integrative theory of intergroup conflict. In W. G. Austin & S. Worchel (Eds.), The social psychology of intergroup relations (pp. 33-47). Brooks/Cole.
- Click, M. A. (Ed.). (2019). Anti-Fandom: Dislike and hate in the digital age. NYU Press.
Glossar: Begriffe aus Philosophie, Psychologie und Soziologie
Affekt Ein oft intensiv erlebter, aktueller emotionaler Zustand. In der Philosophie von Baruch de Spinoza werden Affekte wie Liebe oder Hass als grundlegende Regungen (wie Freude oder Traurigkeit) verstanden, die untrennbar mit der Vorstellung einer äußeren Ursache verbunden sind.
Aktivierung (Arousal) Ein Begriff aus der Emotionspsychologie, der den Grad der physischen und kognitiven Erregung beschreibt, die mit einem Gefühl einhergeht. Hohe Aktivierung bedeutet starke Wachsamkeit, Anspannung oder einen erhöhten Puls (z. B. bei Panik, starker Verliebtheit oder intensivem Hass).
Ambivalenz Das gleichzeitige Vorhandensein von gegensätzlichen oder widersprüchlichen Gefühlen, Bewertungen oder Gedanken gegenüber derselben Person, Sache oder Situation. Ein klassisches psychologisches Beispiel ist das gleichzeitige Erleben von Zuneigung und tiefem Groll gegenüber einem Familienmitglied.
Anti-Fandom / Hate-Watching Phänomene der modernen Medien- und Onlinekultur. Das bewusste, intensive und regelmäßige Konsumieren von Inhalten einer Person (z. B. eines Influencers), nicht aus Zuneigung, sondern aus starker Ablehnung. Es erfüllt oft soziale und identitätsstiftende Funktionen für die zuschauende Person oder Community.
Circumplex-Modell (nach Russell) Ein etabliertes psychologisches Modell, das Emotionen nicht als isolierte Kategorien, sondern als ein kreisförmiges Spektrum auf zwei Hauptdimensionen darstellt: Valenz (Lust vs. Unlust) und Aktivierung (hohe vs. niedrige Erregung).
Eros & Agape Klassische Begriffe aus der antiken Philosophie zur Unterscheidung von Liebesformen. Eros bezeichnet die begehrende, romantische und leidenschaftliche Liebe. Agape steht für die bedingungslose, wohlwollende und oft uneigennützige Liebe oder Nächstenliebe.
fMRT (funktionelle Magnetresonanztomographie) Ein medizinisches Bildgebungsverfahren, mit dem Stoffwechselveränderungen im Gehirn sichtbar gemacht werden können. So lässt sich darstellen, welche Hirnareale (wie etwa die Insula oder das Putamen) bei bestimmten Emotionen besonders stark durchblutet und somit aktiv sind.
Ingroup und Outgroup Begriffe aus der Sozialpsychologie. Die Ingroup ist die eigene Gruppe, mit der man sich identifiziert und der man sich zugehörig fühlt („Wir“). Die Outgroup ist die Fremdgruppe („Die anderen“). Die eigene Identität und der Gruppenzusammenhalt werden oft gestärkt, indem die Outgroup abgewertet wird.
Philia Ein Begriff aus der antiken griechischen Philosophie, der besonders von Aristoteles geprägt wurde. Er wird oft als „Freundschaft“ übersetzt, umfasst aber weit mehr: Er bezeichnet eine tiefe soziale Verbundenheit und den ethischen Akt, einem anderen Menschen um seiner selbst willen Gutes zu wünschen.
Valenz In der Psychologie die Dimension, die beschreibt, ob ein Reiz, ein Gefühl oder eine Situation als positiv (angenehm) oder negativ (unangenehm) bewertet und erlebt wird.
📚 Weiterführende Literatur – Bücher zum Vertiefen
Erich Fromm – „Die Kunst des Liebens“
Das ist für deinen Artikel praktisch ein Pflichtbuch, weil Fromm Liebe nicht bloß als spontanes Gefühl, sondern als aktive menschliche Fähigkeit betrachtet. Damit passt es direkt zu deinem philosophischen Teil über Liebe als Hinwendung und Bezogenheit. Die aktuelle deutsche Taschenbuchausgabe hat die ISBN 978-3-423-36102-6.
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Şeyda Kurt – „Hass. Von der Macht eines widerständigen Gefühls“
Für die andere Seite deines Artikels fast genauso passend. Kurt untersucht Hass ausdrücklich als gesellschaftliches und politisches Gefühl und fragt nach Machtverhältnissen, Mobilisierung und danach, wer gegen wen Hass richten kann. Das ergänzt besonders deinen soziologischen Abschnitt über Gruppen, Feindbilder und gesellschaftliche Funktionen von Hass. Deutsche Ausgabe, ISBN 978-3-365-00158-5; HarperCollins führt Amazon.de ausdrücklich als Bezugsquelle.
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Niklas Luhmann – „Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität“
Das wäre meine stärkste Empfehlung speziell für den soziologischen Unterbau deines Artikels. Luhmann betrachtet Liebe nicht nur als privates Gefühl, sondern untersucht, wie Vorstellungen von Liebe und Intimität gesellschaftlich geprägt und kommunikativ strukturiert werden. Die aktuelle Suhrkamp-Ausgabe ist deutschsprachig, ISBN 978-3-518-28724-8, und wird auch über Amazon angeboten.
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bell hooks – „Alles über Liebe – Neue Sichtweisen“
Das erweitert Fromm sehr schön um eine modernere gesellschaftliche Perspektive. bell hooks fragt, was wir überhaupt unter Liebe verstehen und verbindet Liebe mit Fürsorge, Gemeinschaft, gesellschaftlichen Verhältnissen und einer Ethik des Zusammenlebens. Die deutsche Ausgabe erschien 2021 bei HarperCollins, ISBN 978-3-7499-0236-1, und wird bei Amazon angeboten.
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Julia Shaw – „Böse. Die Psychologie unserer Abgründe“
Dieses Buch sitzt etwas weiter außen, ergänzt aber den psychologischen und sozialpsychologischen Teil hervorragend. Shaw beschäftigt sich unter anderem mit Neurowissenschaft, moralischer Bewertung, Konformität und der Frage, wie gewöhnliche Menschen destruktives Verhalten entwickeln können. Gerade für deine Abschnitte zu Feindbildern, Gruppendynamik und „Wir gegen die anderen“ ist es interessant. Deutsche Taschenbuchausgabe, ISBN 978-3-453-60529-9, ebenfalls über Amazon erhältlich.
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