Zwischen Licht und Finsternis: Wie wir das Schwarz-Weiß-Denken bei Borderline-Symptomatik besser verstehen und abbauen

„Was steckt hinter dem Schwarz-Weiß-Denken bei Borderline? Erfahre, warum „Splitting“ auftritt und wie du mit konkreten DBT-Strategien emotionale Grautöne zulässt.“

Ein Feldweg führt durch eine Landschaft, die links in dunklen Wolken und rechts in hellem Sonnenlicht liegt

Wer mit Borderline-Symptomatik lebt oder einen Menschen liebt, der damit kämpft, kennt diese Momente vielleicht: Eben war noch Nähe da, plötzlich ist alles Gefahr. Dieser Text soll nicht verurteilen, sondern verständlich machen, warum das passiert – und wie man Schritt für Schritt wieder mehr Zwischentöne findet.

Es ist ein Erleben auf einem emotionalen Schleudersitz. Eben noch kann die Welt in ein warmes, zugewandtes Licht getaucht sein. Der Partner oder die Partnerin wird als Seelenverwandte:r erlebt, als der einzige Mensch, der einen jemals wirklich versteht. Doch dann reicht eine vermeintliche Kleinigkeit: Eine verspätete Antwort auf eine Nachricht, ein missverständlicher Blick oder ein abgelenktes Nicken. In Sekundenbruchteilen kann die Stimmung kippen, und alles stürzt in tiefe Verunsicherung. Aus dem Gefühl tieber Verbundenheit wird existenzielle Angst oder Enttäuschung, und das Gegenüber wird plötzlich als kalt oder abwertend wahrgenommen.

Dieses Phänomen ist in der Psychologie als „Splitting“ (Spaltung) oder Schwarz-Weiß-Denken bekannt. Dieses Muster tritt bei vielen Menschen mit einer Borderline-Symptomatik auf und hängt eng mit emotionaler Instabilität, Verlustangst und intensiven Schwierigkeiten in Beziehungen zusammen. Für Betroffene fühlt es sich oft wie ein permanenter Wechsel ohne Übergänge an – es gibt gefühlt kein lauwarmes Wasser, sondern nur kochend heiß oder eisig kalt.

Dieser Artikel beleuchtet die psychologischen Erklärungsmodelle dieses Denkmusters. Wir betrachten typische Alltagsbeispiele, analysieren die belastenden Folgen für Beziehungen sowie das Selbstwertgefühl und erarbeiten vor allem konkrete, therapeutisch bewährte Strategien, um die entlastenden Grautöne des Lebens wiederzuentdecken.

1. Was ist Splitting? Die Dynamik des Alles-oder-Nichts

Um das Schwarz-Weiß-Denken zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass es sich hierbei nicht um eine bewusste Entscheidung oder böse Absicht handelt. Splitting ist ein unbewusster, automatischer Versuch der Psyche, mit überwältigenden Emotionen umzugehen.

Die Herausforderung, Ambivalenz auszuhalten

Menschliche Beziehungen und Alltagssituationen sind von Natur aus komplex und widersprüchlich. Ein Mensch kann uns von ganzem Herzen lieben und trotzdem in einem bestimmten Moment müde, genervt oder distanziert sein. Eine Situation kann frustrierend sein, aber dennoch positive Aspekte beinhalten. Diese Gleichzeitigkeit von scheinbaren Gegensätzen nennt man Ambivalenz.

Wenn intensive emotionale Spannungen entstehen, fällt es Menschen mit einer Borderline-Symptomatik oft schwer, diese Ambivalenz auszuhalten. Wenn eine Bezugsperson eine Grenze setzt oder enttäuscht, bricht das positive Bild im ersten Moment zusammen. Da die Psyche die beiden gegensätzlichen Wahrnehmungen („Ich liebe diesen Menschen“ und „Dieser Mensch verletzt mich gerade“) nur schwer integrieren kann, neigt sie dazu, das Bild aufzuteilen:

  • Die Idealisierung: Das Gegenüber wird als absolut perfekt, fehlerlos und rettend wahrgenommen.
  • Die Entwertung: Das Gegenüber wird als empathielos, kalt oder abweisend erlebt.

Das emotionale Gedächtnis in der Spaltungsphase

Ein besonders belastender Aspekt des Splittings ist, dass in einer Phase der Entwertung der Zugriff auf positive emotionale Erinnerungen blockiert sein kann. Wenn das Gegenüber negativ wahrgenommen wird, fühlt es sich für die betroffene Person im Hier und Jetzt oft so an, als sei die Beziehung schon immer schmerzhaft gewesen. Die gemeinsamen glücklichen Momente, die Beweise von Loyalität und Zuneigung sind in diesem Moment emotional kaum abrufbar.

2. Warum reagiert die Psyche so? Der Hintergrund des Musters

Auch wenn das Schwarz-Weiß-Denken langfristig viel Leid verursacht, erfüllt es kurzfristig eine psychologische Funktion: Es ist ein archaischer Versuch, emotionale Überforderung zu bewältigen.

Komplexitätsreduktion bei hoher Anspannung

Viele Menschen mit einer Borderline-Symptomatik erleben Gefühle schneller, intensiver und langanhaltender. Wenn in einer uneindeutigen Situation (z. B. bei einem gemischten Feedback am Arbeitsplatz) die innere Anspannung massiv steigt, versucht die Psyche, das unerträgliche Chaos zu ordnen. Sie vereinfacht die Realität radikal:

„Die Kritik bedeutet, dass ich absolut unfähig bin und man mich loswerden will.“

Dieses Denken erzeugt zwar akuten Schmerz, aber es schafft eine schmerzhafte Eindeutigkeit. Für ein überlastetes Nervensystem kann eine vermeintlich klare, negative Gewissheit im ersten Moment leichter zu verarbeiten sein als die quälende Unsicherheit einer komplexen Realität.

Das Zusammenspiel der Ursachen

Wie entsteht diese Dynamik? Die Wissenschaft geht heute von einem biopsychosozialen Modell aus. Das bedeutet, dass biologische Veranlagungen mit psychologischen und sozialen Faktoren zusammenwirken.

Auf der biologischen Seite spielt oft ein besonders reizoffenes oder schnell aktivierbares Nervensystem eine Rolle. Auf der psychosozialen Seite zeigen sich häufig frühe Beziehungserfahrungen, emotionale Invalidierung (das wiederholte Abwerten oder Ignorieren der eigenen Gefühle durch Bezugspersonen), Traumatisierungen oder anhaltende Unsicherheit in der Kindheit. Das Kind musste unter Umständen lernen, Signale blitzschnell in „sicher“ oder „gefährlich“ einzuteilen, weil verlässliche Zwischentöne fehlten. Dieses Muster überträgt sich dann als automatisierte Reaktion in das Erwachsenenleben.

3. Die Folgen im Alltag: Konflikthafte Dynamiken und Selbstsabotage

Obwohl das Splitting kurzfristig die gefühlte Komplexität reduziert, sind die langfristigen Kosten im realen Leben hoch. Es betrifft Partnerschaften ebenso wie Freundschaften, den Beruf und das Verhältnis zu sich selbst.

Wiederkehrende Beziehungsmuster

Beziehungen können durch diese Dynamik in schmerzhafte Zyklen geraten, die für beide Seiten extrem erschöpfend sind:

  1. Idealisierung: Große Nähe und Euphorie bestimmen die erste Zeit. Das Gegenüber wird sehr hoch geschätzt.
  2. Der Trigger: Ein unbedachtes Wort oder ein unvorhergesehenes Ereignis löst Verlustangst oder das Gefühl von Zurückweisung aus.
  3. Die Entwertungsphase: Die Angst schlägt in Abwehr oder Wut um. Das Bild des Anderen kippt ins Negative.
  4. Der Rückzug oder Konflikt: Es kommt zu Streit, Vorwürfen oder Distanzierung.
  5. Die Erleichterung oder Reue: Wenn die emotionale Anspannung sinkt, wird die Ambivalenz wieder greifbarer. Oft folgen tiefe Scham, Schuldgefühle und die Angst, die Beziehung durch den Konflikt zerstört zu haben.

Für Angehörige und Partner:innen fühlt sich dies oft an wie ein unvorhersehbarer Tanz auf dem Vulkan, was zu emotionaler Erschöpfung und Rückzug führen kann.

Selbstsabotage im Beruf und Alltag

Das Schwarz-Weiß-Denken betrifft auch das Selbstbild. Betroffene neigen dazu, sich selbst entweder als fehlerfrei oder als absolut wertlos zu betrachten.

Ein kleiner Fehler im Job führt dann nicht zu dem Gedanken „Das korrigiere ich nächstes Mal“, sondern zu: „Ich kann gar nichts, ich sollte sofort kündigen.“ Projekte, Ausbildungen oder Arbeitsverhältnisse werden dadurch manchmal impulsiv abgebrochen, um einer vermeintlich drohenden Kündigung oder Beschämung zuvorzukommen.

4. Der Weg in die Grauzone: Konkrete therapeutische Strategien

Der Ausstieg aus dem Teufelskreis des Splittings erfordert Geduld und kontinuierliches Training. Es geht ausdrücklich nicht darum, intensive Gefühle zu unterdrücken, sondern die kognitive Flexibilität zu erhöhen, um den emotionalen Stürmen nicht mehr ungefiltert ausgeliefert zu sein.

In der Psychotherapie – etwa der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT), der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT), der Schematherapie oder der Übertragungsfokussierten Psychotherapie (TFP) – haben sich verschiedene Ansätze bewährt. Keine Methode ist automatisch für alle die beste. Entscheidend ist, welcher Ansatz zur betroffenen Person, zur aktuellen Lebenssituation und zur therapeutischen Beziehung passt.

Hier sind vier konkrete Techniken, die im Alltag unterstützen können:

Technik 1: Das bewusste Innehalten (Pause-Taste drücken)

Wenn das Splitting einsetzt, geschieht das meist in Bruchteilen von Sekunden. Die wichtigste Fertigkeit (ein sogenannter „Skill“) ist es, eine zeitliche Lücke zwischen dem Gefühl und der Reaktion zu schaffen.

  • Die Praxis: Sobald Sie merken, dass die Anspannung steigt und sich die Gedanken radikalisieren, gilt die Regel: Keine impulsiven Entscheidungen, keine klärenden Nachrichten, keine Vorwürfe.
  • Der innere Monolog: „Ich merke, dass ich gerade extrem angespannt bin. Mein Denken rutscht ins Alles-oder-Nichts. Ich warte mit meiner Reaktion, bis meine innere Anspannung wieder gesunken ist.“
  • Nutzen Sie bei Bedarf intensive Sinnesreize (wie kaltes Wasser im Gesicht oder Bewegung), um das Nervensystem erst einmal herunterzufahren.

Technik 2: Fakten gegen Gefühle abwägen

In Momenten hoher Emotionalität neigen wir zur emotionalen Beweisführung: „Ich fühle mich abgelehnt, also bin ich es auch.“ Um das zu durchbrechen, hilft ein sachlicher Blick auf die Situation, wie bei einer Bestandsaufnahme.

Der Gedanke / Das Gefühl (Schwarz-Weiß)Die sachlichen Fakten (Die Realität)
„Sie hat mir seit zwei Stunden nicht geantwortet. Ich bin ihr völlig egal.“Sie hat heute einen langen Arbeitstag. Gestern hatten wir ein gutes Gespräch. Sie meldet sich meistens, sobald sie Zeit hat.
„Mein Chef kritisiert meine Präsentation. Ich fliege hier bald raus.“Die Kritik bezog sich auf ein paar Details. Das Projekt an sich darf ich weiterführen. Es gab keine Abmahnung.

Das schriftliche Festhalten hilft dabei, den rationalen Teil des Gehirns wieder zu aktivieren und die emotionale Wucht zu dämpfen.

Technik 3: Das magische „Und“ (Dialektik etablieren)

Ein Kernaspekt der therapeutischen Arbeit ist die Dialektik – das Erkennen, dass zwei scheinbare Gegensätze gleichzeitig wahr sein können. Schwarz-Weiß-Denken trennt mit einem harten „Oder“. Entlastung entsteht durch das Wort „Und“.

Versuchen Sie, extreme Bewertungen durch verbindende Sätze zu ersetzen:

  • Alt: „Entweder du unterstützt mich zu 100 Prozent, oder du bist gegen mich.“
  • Neu: „Ich bin gerade wütend und enttäuscht über deine Absage, und ich weiß gleichzeitig, dass du mich liebst und für mich da bist.“
  • Alt: „Ich habe einen Fehler gemacht, ich bin ein totaler Versager.“
  • Neu: „Ich habe diesen Fehler gemacht, und ich habe in der Vergangenheit schon viele Dinge gut gemeistert.“

Technik 4: Alternative Erklärungen suchen

Bei einer Borderline-Symptomatik neigt man in Momenten der Verunsicherung dazu, das Verhalten anderer Menschen sofort als persönliche Ablehnung zu interpretieren. Fordern Sie sich selbst heraus, systematisch alternative, neutrale Erklärungen zu finden.

Beispiel: Ein Freund grüßt im Vorbeigehen nur flüchtig und geht weiter.

  • Alternative A: „Er war in Gedanken tief versunken und hat mich gar nicht richtig wahrgenommen.“
  • Alternative B: „Er hat es heute extrem eilig und steht unter Zeitdruck.“
  • Alternative C: „Es geht ihm selbst gerade nicht gut und er hat den Kopf voll.“

5. Hinweise für Angehörige: Umgang mit der Dynamik

Wenn Sie als Partner:in, Freund:in oder Familienmitglied in eine Entwertungsphase geraten, kann das sehr verletzend und verwirrend sein. Deeskalation und Selbstschutz gehen hier Hand in Hand.

  1. Nicht in endlose Rechtfertigungen gehen: Befindet sich der betroffene Mensch in einer akuten emotionalen Überforderung, ist Logik im ersten Moment kaum zugänglich. Jede Rechtfertigung wird oft als Gegenangriff verstanden.
  2. Gefühle validieren, Grenzen wahren: Nehmen Sie den Schmerz ernst, aber setzen Sie klare Grenzen bei verletzendem Verhalten.
    • Formulierungsbeispiel: „Ich sehe, dass du gerade unheimlich wütend und verletzt bist. Ich möchte das mit dir klären. Aber ich möchte nicht, dass wir uns beschimpfen. Lass uns in einer halben Stunde weiterreden.“
  3. Verlässlichkeit signalisieren: Zeigen Sie, dass Sie trotz des Konflikts an der Beziehung festhalten. Das Signal sollte sein: „Ich ziehe mich jetzt kurz zurück, um die Situation zu beruhigen, aber ich gehe nicht weg. Unsere Beziehung steht nicht infrage.“

Fazit: Das Leben gewinnt in den Zwischentönen

Das Durchbrechen von Schwarz-Weiß-Denken ist kein linearer, einfacher Prozess. Es gleicht eher dem Erlernen einer neuen Sprache. Es ist völlig normal, dass man anfangs stolpert und in alte Muster zurückfällt.

Der entscheidende Wendepunkt ist der Moment, in dem man bemerkt, dass das Denken gerade ins Extrem kippt. Dieses achtsame Beobachten der eigenen Prozesse ist der eigentliche Schlüssel zur Veränderung.

Das Zulassen von Grautönen nimmt dem Leben vielleicht manchmal eine gewisse, dramatische Intensität – aber es schenkt etwas ungleich Wertvolleres: Stabilität, emotionalen Schutz, tieferen inneren Frieden und Beziehungen, die auch durch Konflikte nicht gleich ins Wanken geraten. Die Welt muss nicht perfekt sein, um gut zu sein. Und wir müssen es auch nicht.

Wichtiger Hinweis & Erste Hilfe

Dieser Artikel dient der Aufklärung und dem besseren Verständnis; er ersetzt keine fachliche Diagnostik und keine Psychotherapie. Wenn Sie sich in diesen Mustern wiedererkennen und darunter leiden, zögern Sie nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen – insbesondere dann, wenn Selbstverletzung, Suizidgedanken oder schwere Lebenskrisen eine Rolle spielen.

Anlaufstellen & Hilfsangebote:

  • Therapieplatzsuche:therapie.de(Plattform zur Suche nach Psychotherapeut:innen in Deutschland)
  • TelefonSeelsorge: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 (Kostenfrei, anonym und 24/7 erreichbar)
  • Nummer gegen Kummer (für Kinder & Jugendliche): 116 111
  • Info-Telefon Depression: 0800 / 33 44 533
  • Regional: Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpD) Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises bietet kostenlose, unbürokratische Krisenberatung an. In akuten Notfällen wenden Sie sich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notruf (112).

📚 Buchempfehlungen: Borderline & Splitting verstehen

1. Für den Einstieg & Betroffene

  • Ich hasse dich – verlass mich nicht: Die Borderline-Persönlichkeit verstehen
    • Von: Jerold J. Kreisman & Hal Straus (Kösel-Verlag)
    • Das bringt es: Der weltweite Bestseller. Er beschreibt die emotionale Zerrissenheit und das namensgebende Wechselspiel aus Idealisierung und Entwertung extrem bildhaft anhand vieler Fallbeispiele.
    • Perfekt für: Ein tiefes, emotionales Grundverständnis der inneren Dynamik.
  • Ratgeber Borderline-Störung: Informationen für Betroffene und Angehörige
    • Von: Prof. Dr. Martin Bohus & Martina Wolf (Hogrefe Verlag)
    • Das bringt es: Absolut sachlich, wissenschaftlich fundiert und komplett frei von Stigmatisierung. Geschrieben vom führenden DBT-Experten im deutschsprachigen Raum.
    • Perfekt für: Alle, die glasklare Fakten und erste direkte Einblicke in die Funktionsweise der Therapie suchen.

2. Speziell für Partner & Angehörige

  • Schluss mit dem Eiertanz: Für Angehörige von Menschen mit Borderline
    • Von: Paul T. Mason & Randi Kreger (Beltz Verlag)
    • Das bringt es: Das absolute Standardwerk für das Umfeld. Es zeigt konkret, wie man sich im Beziehungsalltag selbst schützt, Grenzen setzt und aus ungesunden Dynamiken ausbricht, ohne den betroffenen Menschen zu entwerten.
    • Perfekt für: Partner:innen und Familienmitglieder, die sich im Alltag oft erschöpft oder hilflos fühlen.
  • Borderline – Das Selbsthilfe-Buch für Angehörige
    • Von: Christa Windmüller (Thieme Verlag)
    • Das bringt es: Ein moderner Ratgeber, der die psychische Gesundheit der Angehörigen radikal in den Mittelpunkt stellt. Er kombiniert Fachwissen mit Übungen zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK).
    • Perfekt für: Angehörige, die einen sehr lösungsorientierten, praktischen Leitfaden suchen.

3. Für die aktive Praxis & Selbsthilfe

  • Borderline verstehen und bewältigen (Begleitbuch)
    • Von: Ewald Rahn & Karsten Giertz (Psychiatrie Verlag)
    • Das bringt es: Kein reines Lesebuch, sondern ein echtes Arbeitsbuch für die Therapie und die Selbsthilfe. Es enthält praktische Übungen zur Emotionsregulation, mit denen man das im Text erwähnte Innehalten direkt trainieren kann.
    • Perfekt für: Betroffene, die aktiv an ihren Mustern arbeiten und Übungen schwarz auf weiß vor sich liegen haben wollen.

Glossar: Die wichtigsten Fachbegriffe kurz erklärt

FachbegriffLeicht verständliche Erklärung
AmbivalenzDie Gleichzeitigkeit von gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken oder Wünschen. In Beziehungen bedeutet das zum Beispiel, dass man jemanden von Herzen lieben und gleichzeitig im Moment wütend auf ihn sein kann.
Biopsychosoziales ModellEin wissenschaftlicher Ansatz, der besagt, dass psychische Bedingungen niemals nur eine einzige Ursache haben. Sie entstehen immer aus dem Zusammenspiel von biologischen Faktoren (z. B. Genetik), psychologischen Aspekten (z. B. Stressverarbeitung) und sozialen Einflüssen (z. B. Kindheitserfahrungen).
Borderline-Symptomatik / BPSEine psychische Struktur, die durch eine ausgeprägte Instabilität in den Emotionen, im Selbstbild und in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie durch eine erhöhte Impulsivität gekennzeichnet ist.
DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie)Eine spezielle Form der kognitiven Verhaltenstherapie, die ursprünglich für Menschen mit Borderline-Symptomatik entwickelt wurde. Der Fokus liegt stark auf Achtsamkeit, Emotionsregulation, dem Umgang mit Krisen (Stresstoleranz) und zwischenmenschlichen Fähigkeiten.
DialektikEin philosophischer und therapeutischer Grundsatz, der besagt, dass zwei scheinbare Gegensätze gleichzeitig wahr sein können. Heilung bedeutet hier, das harte „Entweder-oder“ durch ein verbindendes „Und“ zu ersetzen.
Emotionale BeweisführungEin kognitiver Denkfehler, bei dem das aktuelle Gefühl mit der Realität gleichgesetzt wird. Typischer Gedanke: „Ich fühle mich abgelehnt, also meint der andere es auch böse.“
Emotionale InvalidierungDas wiederholte Herabspielen, Ignorieren oder Bestrafen von eigenen Gefühlen durch das soziale Umfeld (z. B. Sätze wie „Stell dich nicht so an“ oder „Das bildet du dir nur ein“ in der Kindheit).
EntwertungDas extreme Gegenteil der Idealisierung. In dieser Phase wird eine Person, Situation oder das eigene Ich als ausschließlich negativ, fehlerhaft, kalt oder bösartig wahrgenommen. Zwischentöne sind blockiert.
IdealisierungEine übersteigerte, ausschließlich positive Wahrnehmung eines Menschen oder einer Situation. Schwächen, Fehler oder Grenzen des Gegenübers werden dabei komplett ausgeblendet.
Kognitive FlexibilitätDie geistige Fähigkeit, starre Denkmuster zu verlassen, die Perspektive zu wechseln und alternative Erklärungen für das Verhalten anderer oder für Situationen zuzulassen.
MBT (Mentalisierungsbasierte Therapie)Ein psychotherapeutischer Ansatz, der die Fähigkeit stärkt, das eigene Verhalten und das Verhalten anderer durch das Verstehen von zugrundeliegenden mentalen Zuständen (Gefühle, Bedürfnisse, Absichten) zu erklären.
MetakognitionDas „Denken über das eigene Denken“. Die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Bewertungen und emotionalen Impulse aus einer übergeordneten Beobachterperspektive wahrzunehmen, anstatt sofort nach ihnen zu handeln.
SchematherapieEine therapeutische Methode, die Verhaltenstherapie mit tiefenpsychologischen Ansätzen verbindet. Sie zielt darauf ab, tief sitzende, in der Kindheit entstandene Verhaltens- und Erlebensmuster („Schemata“) zu erkennen und zu verändern.
Skills (Fertigkeiten)Konkrete Strategien, Techniken oder Handlungen, die in Momenten extrem hoher emotionaler Anspannung gezielt eingesetzt werden, um das Nervensystem herunterzufahren, ohne sich selbst oder anderen zu schaden.
Splitting (Spaltung)Ein unbewusster Schutz- und Abwehrmechanismus der Psyche, bei dem die Realität, andere Menschen oder das Selbstbild radikal in „nur gut“ oder „nur schlecht“ aufgeteilt werden, um emotionale Überforderung zu vermeiden.
TFP (Übertragungsfokussierte Psychotherapie)Ein streng modifizierter, tiefenpsychologischer Ansatz für die Borderline-Symptomatik. Hierbei wird die therapeutische Beziehung im Hier und Jetzt genutzt, um unbewusste Beziehungsmuster und innere Spaltungen sichtbar zu machen und zu bearbeiten.

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Autor: Sascha Markmann

Sascha Markmann ist ein kreativer Kopf mit bewegter Biografie: Informatiker, studierter Philosoph, Religionswissenschaftler und Psychologe – und gleichzeitig ein Mensch, der das Leben nach einem Schlaganfall ganz neu entdeckt hat. Nach Stationen als Rettungssanitäter und Altenpfleger fand Sascha seinen Weg in die Welt des kreativen Ausdrucks: Als Blogger, Musiker, Podcaster, Philosoph und visueller Geschichtenerzähler kombiniert er technisches Know-how mit emotionaler Tiefe und einem schrägen Sinn für Humor. Seine Beiträge entstehen irgendwo zwischen Borderline, Acid Bassline und Beistand – ehrlich, direkt und gerne auch mal mit einem Augenzwinkern. Leitmotiv: „Audiovisueller Stumpfsinn mit keinem Nutzwert – aber vielleicht genau deshalb so wertvoll.“

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