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Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe der Abschweifung. Da wo ich gelegentlich oder
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0:00:39 – 0:00:45
was immer, aber manche würde auch sagen so gut wie nie, vom eigentlichen Thema abschweife. Ich
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0:00:45 – 0:00:55
bin Sascha Machmann und sag Hallo. Das heutige Thema ist "Was ist die Wahrheit?" Und ja, mir sind
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0:00:55 – 0:01:01
der letzten Zeit Menschen aufgefallen, die den Anspruch haben an sich selbst oder auch die
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0:01:01 – 0:01:11
Aussage treffen, bei mir gibt es die absolute Wahrheit. Ich bin die Wahrheit und darüber wollen
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0:01:11 – 0:01:21
wir heute mal reden. Das Dilemma mit der Wahrheit. Wir benutzen das Wort täglich mit so Sätzen wie
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0:01:21 – 0:01:30
"Sag mir die Wahrheit" oder auch wissenschaftlich bewiesen "Meine Wahrheit". Aber ist es wirklich
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0:01:30 – 0:01:37
jedes Mal dasselbe? Wir sollten vielleicht als erstes mal abgrenzen "Wahrheit" und "Wirklichkeit".
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0:01:37 – 0:01:46
Wirklichkeit ist das, was existiert oder geschieht. Wenn es draußen regnet und wir sehen es,
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0:01:46 – 0:01:53
dann können wir höchstwahrscheinlich sagen, ja, es regnet draußen. Wenn wir jetzt noch dazu das
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0:01:53 – 0:02:03
Wetterradar nehmen und halt ein hochauflösendes Bild vom Regen haben, dann können wir sagen,
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0:02:03 – 0:02:12
ja, bei uns regnet es gerade. Das wäre dann eine Wirklichkeit, die zur Wahrheit wird. Aber
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0:02:12 – 0:02:22
erstmal existieren diese beiden Sachen nebeneinander. Denn eine Wahrheit kann subjektiv sein und eine
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0:02:22 – 0:02:31
Wirklichkeit ist etwas, was real existiert. Wir können uns also merken, die Wirklichkeit passiert,
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0:02:31 – 0:02:40
Wahrheit entsteht dort, wo wir versuchen, diese Wirklichkeit in Sprache, Zahlen oder Methoden zu
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0:02:40 – 0:02:49
übersetzen. Klingt vorgelesen, ist es sogar. Manche Leute sagen ja mir nach, sie haben die Wahrheit
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0:02:49 – 0:02:58
für sich erkannt. Ich kann sowas nur mit Hilfe von Chatchibiti. Zwinker, zwinker. Wir müssen aber
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0:02:58 – 0:03:08
als erstes noch weitere Begriffe klären oder trennen. Wahrheit, eine Aussage, stimmt mit der
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0:03:08 – 0:03:18
Wirklichkeit über einen. Wissen, eine Aussage, die wahr ist und für die wir nachvollziehbare,
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0:03:18 – 0:03:29
belastbare oder Belege haben. Wissen bedeutet nicht absolut um Fehlbarkeit. Das ist wichtig,
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0:03:29 – 0:03:39
Denn ich kann auch falsches Wissen besitzen und dann ist es fehlbar. Gewissheit, ein rein
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0:03:39 – 0:03:48
persönliches Gefühl von Sicherheit, weil wenn ich mir gewissenhaft bin, dass ich etwas weiß,
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0:03:48 – 0:03:58
heißt es nicht, dass es richtig ist. Also kann das Gefühl von Sicherheit sehr täuschen,
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0:03:58 – 0:04:07
dass man die Wahrheit kennt oder dieses Wissen hat. Ehrlichkeit. Man sagt, was man selbst für
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0:04:07 – 0:04:18
wahr hält. Man kann ehrlich sein und sich trotzdem irren. Hatten wir gerade, oder? Die Lüge. Man
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0:04:18 – 0:04:26
behauptet absichtlich etwas, das man selbst für falsch hält, um zu täuschen. Dann haben wir noch
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0:04:26 – 0:04:35
den Irrtum. Man glaubt aufrichtig an eine falsche Information. Dann gibt es noch die
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0:04:35 – 0:04:44
falsche Information. Falsches wird unüberprüft weitergegeben. Eine Irreführung. Man sagt einen
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0:04:44 – 0:04:54
wahren Abschnitt, um einen falschen Gesamteindruck zu hinterlassen oder zu erzeugen. Falls das
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0:04:54 – 0:05:02
vorgelesen geklungen hat, das war auch vorgelesen und das kam auch von Chechypiti. Ich bin leider
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0:05:02 – 0:05:12
nicht in der Lage, solche komplexen Inhalte dank meines fehlenden kognitiven Transferleistungen zu
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0:05:12 – 0:05:20
verarbeiten. Jetzt kommen wir mal zu einem Bereich in den Naturwissenschaften. Da sind
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0:05:20 – 0:05:33
nämlich Wahrheiten sehr wichtig. Zum Beispiel, wir gehen davon aus oder wir wissen, dass ein Dreieck
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0:05:33 – 0:05:41
immer 180 Grad hat. Das ist auch richtig, solange sich dieses Dreieck auf einer Fläche befindet,
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0:05:41 – 0:05:51
auf einer geraden Fläche. Ist diese Fläche gekrümmt, kann dieses Dreieck bis zu 270 Grad haben. Zum
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0:05:51 – 0:05:59
Beispiel, wenn dieses Dreieck sich auf einer Kugel befindet. Beide Aussagen sind richtig. Beide
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0:05:59 – 0:06:06
Aussagen sind die Wahrheit. Sie haben nur unterschiedliche Voraussetzungen und das ist
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0:06:06 – 0:06:15
auch wichtig. Denn wenn man sich mal anschaut, was wir in unserer alltäglichen Physik, sagen wir mal
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0:06:15 – 0:06:23
die des Makrokosmos, also der für uns sichtbaren Welt, dann sind diese Regeln für uns alle gleich.
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0:06:23 – 0:06:30
Und wenn ich einen Stein von einem Turm werfe, wird er mit der und der Geschwindigkeit, mit der und der
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0:06:30 – 0:06:37
Beschleunigung, die immer konstant ist, zum Boden fallen. Das können wir vorhersagen,
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0:06:37 – 0:06:44
das können wir in einem Experiment beweisen und das können wir auch dokumentieren. Diese
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0:06:44 – 0:06:53
Regeln gelten aber nicht im anderen Bereich, im einster Makrokosmos und wie heißt der andere
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0:06:53 – 0:07:01
Kosmos? Mein Kopf ist kaputt. In der Welt der Quantenphysik zum Beispiel, da gelten andere
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0:07:01 – 0:07:13
Regeln für ein und dieselben Prozesse, aber sie existieren zur selben Zeit. Irgendwie irre. Es
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0:07:13 – 0:07:18
ist aber nicht so mein Gebiet. Ich kenne mich in der Quantenphysik nicht unbedingt gut aus,
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0:07:18 – 0:07:24
muss ich ehrlich gestehen, da habe ich ein Nichtwissen. Aber wir haben es gerade gesehen,
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0:07:24 – 0:07:33
dass halt zwei Wahrheiten nebeneinander existieren können mit unterschiedlichen
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0:07:33 – 0:07:43
Voraussetzungen. Wir können jetzt auch das Ganze in der Philosophie betrachten. Was ist
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0:07:43 – 0:07:51
Wahrheit philosophisch gesehen. Und da haben wir halt verschiedene Begrifflichkeiten. Wir haben
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0:07:51 – 0:08:00
eine subjektive Wahrheit. Das betrifft das Erleben eines Einzelnen. Zum Beispiel, ich empfinde den
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0:08:00 – 0:08:08
Raum als kalt. Dann haben wir die objektive Wahrheit. Das gilt unabhängig von einzelnen
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0:08:08 – 0:08:17
Person. Wenn man das Messgerät rausholt und misst, kann man sagen, ja, dieser Raum hat 17 Grad. Dann
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0:08:17 – 0:08:26
gibt es noch die intersubjektive Wahrheit. Das gilt dann für mehrere Menschen, die nach gemeinsamen
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0:08:26 – 0:08:33
Regeln nachvollziehbar zum Beispiel diese Temperatur im Raum messen. Und die können dann
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0:08:33 – 0:08:41
sagen, mehrere Personen messen mit geprüften Thermometern eine Temperatur von 17 Grad.
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0:08:41 – 0:08:51
Das wäre dann eine intersubjektive Wahrheit. Also kann man sich merken, Objektivität bedeutet
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0:08:51 – 0:08:58
nicht, dass kein Mensch beteiligt war. Sie bedeutet, dass das Ergebnis nicht davon abhängig
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0:08:58 – 0:09:06
ist, welcher Mensch die Prüfung durchgeführt hat. Das kann man halt auf mathematische Methoden,
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0:09:06 – 0:09:16
auf physikalische Experimente, aber auch in Alltagssituationen. Kommen wir jetzt mal zur
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0:09:16 – 0:09:26
klassischen Wahrheitstheorie. Und da kommen wir jetzt zum ersten Begriff und das ist Korrespondenz,
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0:09:26 – 0:09:37
die Übereinstimmung. Aussagen passen zur Realität. Wenn ich sage, die Tasse steht da,
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0:09:37 – 0:09:46
dann ist das mehrfach nachweisbar, dass dort eine Tasse steht. Ich kann ein Foto davon machen,
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0:09:46 – 0:09:53
ich kann mit Zeugen dazu holen, ich kann die Tasse, wenn sie auf dem Tisch steht,
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0:09:53 – 0:10:02
in verschiedenen Winkeln dokumentieren, Zeichnungen fertigen und sagen, das ist die Wahrheit,
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0:10:02 – 0:10:11
denn die Tasse steht dort. Man kann das auch ausmessen mit geometrischen Methoden. Trigometrie
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0:10:11 – 0:10:18
kann man hier an Tetrahyleten hinstellen und dann halt wie oft wie der Landvermesser im kleinen
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0:10:18 – 0:10:25
Maßstab ausmessen, wo die Tasse sich im Raum befindet. Kommen wir jetzt zur Korridenz,
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0:10:25 – 0:10:39
die Widerspruchsfreiheit. Ich kann eine Aussage, ein Ereignis oder, ja, das reicht, überprüfen,
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0:10:39 – 0:10:49
ob verschiedene Darstellungen einer und derselben Vision übereinstimmen. Zum Beispiel eine
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0:10:49 – 0:10:59
Ereigniskette. Wie fing der erste Weltkrieg an? Wie fing der zweite Weltkrieg an? Da gibt es
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0:10:59 – 0:11:07
Ereignisse, die aufeinander folgen und die ergeben dann ein widerspruchsfreies Bild.
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0:11:07 – 0:11:16
Ein Problem an der Sache ist, ein Kriminalroman kann in sich perfekt logisch sein, aber dennoch
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0:11:16 – 0:11:32
frei erfunden. Da muss man die Kette der Indizien oder der Belege prüfen, um sie halt als richtig
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0:11:32 – 0:11:41
und Wahr einzustufen. Dann gibt es noch den Pragmatismus, die Bewährung in der Praxis.
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0:11:41 – 0:11:53
Wahrheitsansprüche zeigen ihren Wert durch die Prüfung oder dauerhafte Bewährung. Da muss man
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0:11:53 – 0:12:02
mal aufpassen. Ein Glücksbringer kann vor einer Prüfung real beruhigen. Er beweist aber keine
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0:12:02 – 0:12:12
übernatürlichen Kräfte. Etwas kann nützlich sein, ohne wahr zu sein. Und ja, ich habe selber auch
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0:12:12 – 0:12:18
einen Glücksbringer gehabt, wenn ich in Klausuren gegangen bin. Es war ein kleines magisches Objekt,
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0:12:18 – 0:12:27
was absolut unnütz war. Aber weil ich diesem kleinen Objekt eine besondere Bedeutung
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0:12:27 – 0:12:40
beigemessen habe, hat es mir geholfen, den nötigen Fokus zu finden, um halt bei der Klausur ein gutes
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0:12:40 – 0:12:49
Ergebnis zu liefern. Dann gibt es noch den Konsens. Die ideale Einigung. Er meinte es
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0:12:49 – 0:12:59
kein bloßer Mehrheitsbeschluss oder ein Erfolg einer Propagandaaktion, sondern die Einigung
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0:12:59 – 0:13:08
vernünftiger Parteien unter idealen Bedingungen, frei von Zwang, Manipulation oder Informationskontrolle.
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0:13:08 – 0:13:17
und auch das war jetzt abgelesen. Ihr wisst ja, mangelnde kognitive Transferleistung. Also kann
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0:13:17 – 0:13:27
man sagen Konsens kann ein Hinweis auf Wahrheit sein, es ist aber kein Ersatz für Belege. Ja,
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0:13:27 – 0:13:38
Ja, schön oder? Kommen wir jetzt mal zu dem Blog Alltag, Medien und Gesellschaft. Meine Wahrheit
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0:13:38 – 0:13:48
versus Interpretation. Gefühle sind als Erleben real. Wenn jemand Angst vor einem Geräusch in
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0:13:48 – 0:13:57
der Nacht hat. Ist das Gefühl real? Doch kann die Ursache einfach sein, dass die Katze ein
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0:13:57 – 0:14:08
Feuerzeug vom Tisch geschmissen hat und es war kein Einbrecher. Soziale Konstrukte, institutionelle,
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0:14:08 – 0:14:13
der indizionelle Wahrheit oder Wirklichkeit.
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0:14:13 – 0:14:27
Geld, Eigentum, Gesetze oder Grenzen existieren nicht durch bloße Fantasie, sondern weil wir
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0:14:27 – 0:14:37
sie gemeinsam anerkennen, institutionell absichern und praktisch danach handeln, dass wir eine
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0:14:37 – 0:14:44
gesellschaftliche Wahrheit. Der Wert eines Scheins zum Beispiel steckt nicht im Papier,
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0:14:44 – 0:14:53
er wird durch Staaten, Zentralbanken, Verträge und alltägliche Akzeptanz stabilisiert.
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0:14:53 – 0:15:03
Ein 10-Euro-Schein ist nicht 10 Euro wert, weil das da drauf steht, sondern weil wir glauben oder
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0:15:03 – 0:15:12
weil wir wissen oder weil wir es für wahr halten, dass dieser Schein einen Wert von 10 Euro hat und
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0:15:12 – 0:15:19
damit eine Kaufkraft von 10 Euro. Das ist ein interessantes Konzept. Sollten wir uns vielleicht
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0:15:19 – 0:15:26
auch mal darüber unterhalten. Es gibt eine juristische Wahrheit. Ein Gericht fragt nach,
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0:15:26 – 0:15:36
was geschehen und was nach den Regeln des Verfahrens bewiesen werden kann. Ein Freispruch an Mangel aus
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0:15:36 – 0:15:48
Beweisen bedeutet nicht zwingend, dass nichts passiert ist. Es zeigt nur, dass man keine
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0:15:48 – 0:16:01
Beweiskette oder eine mangelnde Beweiskette eine historische Wirklichkeit nicht belegen kann oder
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0:16:01 – 0:16:11
ausreichend belegen kann und das führt dann zum freien Spruch aus Mangel an Beweisen. Dann kommen
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0:16:11 – 0:16:17
wir zu einer manipulativen Wahrheit, das Framing. Darüber gab es übrigens vor kurzem noch einen
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0:16:17 – 0:16:26
Podcast von mir in der Abschweiflung. Ich glaube in der 84. Das Interessante beim Framing ist,
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0:16:26 – 0:16:39
man muss nicht lügen. Man lässt einfach nur gewisse kleine Wahrheiten weg und führt so halt
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0:16:39 – 0:16:50
zu einer neuen Wahrheit, in der man Kontext weglässt oder die Vergleichsgrößen verändert. Nehmen wir
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0:16:50 – 0:16:58
zum Beispiel ein Beispiel. Die Zahl der Vorfälle ist um 100 Prozent gestiegen. Das mag jetzt im
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0:16:58 – 0:17:06
ersten Moment dramatisch klingen, wenn es um Verbrechen geht oder um Unfälle im Kernkraftwerk,
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0:17:06 – 0:17:17
Aber wenn die Zahl von 1 auf 2 steigt, dann ist das zwar richtig, es ist eine Wahrheit,
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0:17:17 – 0:17:25
aber es erzeugt ein ganz anderes Bild. Denn im Vordergrund steht erstmal,
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0:17:25 – 0:17:34
die Anzahl der Vorfälle hat sich verdoppelt. Es ist eine Verzerrung des Bildes. Also können wir
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0:17:34 – 0:17:42
daraus merken, nicht jede Manipulation benötigt eine Lüge. Manchmal reicht eine vollfängliche,
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0:17:42 – 0:17:50
eine sorgfältig, Entschuldigung, eine sorgfältig ausgewählte Wahrheit. Auch dieser Merksatz war
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0:17:50 – 0:18:02
abgelesen. Danke, ChatGBT, Gemini und Croc. Jetzt gibt es noch einen weiteren Blog, das ist Wahrheit
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0:18:02 – 0:18:15
und Macht, aber das ist schon wirklich sehr öde, sagen wir es mal so. Macht entscheidet nicht darüber,
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0:18:15 – 0:18:26
was biologisch oder physikalisch, mathematisch, naturwissenschaftlich war es, aber sie bestimmt,
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0:18:26 – 0:18:37
welchen Diskurs die Oberhand gewinnt, in welcher Richtung man die Wahrheit formt,
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0:18:37 – 0:18:53
welche Belege, welche Beweise verwendet werden dürfen. Im Endeffekt kann man sagen,
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0:18:53 – 0:19:00
Macht kann Wirklichkeit nicht beliebig erschaffen, aber sie beeinflusst stark,
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0:19:00 – 0:19:08
welche Vision der Wirklichkeit öffentlich sichtbar ist, verbreitet wird und gesellschaftlich
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0:19:08 – 0:19:15
anerkannt ist. Darüber müsste man auch mal eine Ausgabe machen. Sollten wir in Zukunft mal machen.
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0:19:15 – 0:19:28
Zusammenfassend kann man sagen, nicht immer das, was wahr erscheint, kann auch als absolute Wahrheit
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0:19:28 – 0:19:36
gelten. Ich habe ja versucht, das mal aufzuzeigen, dass es verschiedene Wahrheiten zur selben Zeit
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0:19:36 – 0:19:43
geben kann. Und da muss man ja auch immer halt sagen, ist das objektiv, ist das subjektiv? Und
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0:19:43 – 0:19:51
ich habe das Gefühl, dass subjektive Wahrheiten immer sehr sehr oft als die Wahrheit genommen
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0:19:51 – 0:20:00
wird. Denn ich habe etwas gehört, gelesen, was ich dann für die Wahrheit halte, weil es auch
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0:20:00 – 0:20:09
manchmal einfach meiner eigenen Meinung entspricht. Da sind wir dann halt beim "confirmation bias",
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0:20:09 – 0:20:21
Quasi das, was halt in verschiedenen Social Media Welten gang und gäbe ist, wenn eine Wahrheit in
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0:20:21 – 0:20:31
einer Blase als wahr gilt, weil alle dieselben oder die meisten davon dieselbe Meinung teilen.
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0:20:31 – 0:20:38
Tja, auch ein interessantes Thema. Müsste man auch mal was drüber machen. Vielleicht sollte man
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0:20:38 – 0:20:48
sich einfach fragen, was für eine Aussage das ist. Ist es eine Tatsache, ist es eine Meinung, sind es
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0:20:48 – 0:20:58
Gefühle, ist es eine Interpretation oder gar eine Prognose? Dann sollte man sich fragen, kann man das
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0:20:58 – 0:21:03
überprüfen. Gibt es Daten, Dokumente,
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0:21:03 – 0:21:10
intersubjektive Verfahren? Also haben mehrere Leute diese Sache gesehen, gibt
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0:21:10 – 0:21:16
es Zeugen, wobei auch dort halt die Wahrheit nicht immer gleich die Wahrheit
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0:21:16 – 0:21:22
ist. Denn die Menschen achten halt immer auf ein bisschen auf andere Sachen.
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0:21:22 – 0:21:30
Das kann man ja alleine schon daran sehen, wenn es einen Unfall gab und man hat 100 Zeugen,
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0:21:30 – 0:21:36
werden alle im Großen und Ganzen das Gleiche erzählen. Aber es wird auch Abweichungen geben,
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0:21:36 – 0:21:42
denn der eine hat gerade da drauf geachtet, der andere hat hier hingeschaut, der andere hat
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0:21:42 – 0:21:51
dort hingeschaut und so kann man zwar sagen, dass der Großteil davon passiert ist, aber die anderen
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0:21:51 – 0:22:00
Sachen? Das ist schon sehr subjektiv, aber man kann sagen, dass im Allgemeinen dieser
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0:22:00 – 0:22:08
Unfall, den die Zeugen beschreiben, so passiert ist, wie sie ihn beschrieben haben. Dann gibt es
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0:22:08 – 0:22:18
natürlich, wie verlässlich sind die Quellen? Gibt es bei den Quellen ein Eigeninteresse? Oder sind
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0:22:18 – 0:22:25
diese Quellen unabhängig bestätigt. Bei einem physikalischen Experiment haben das andere
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0:22:25 – 0:22:32
Wissenschaftler reproduzieren können, das Ergebnis. Dann kann man davon ausgehen,
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0:22:32 – 0:22:40
dann kann man sagen, ja, das Ergebnis ist wahr. Es wurde ja bestätigt. Man sollte sich auch immer
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0:22:40 – 0:22:47
fragen, gibt es Unsicherheiten? Und wenn es Unsicherheiten gibt, wurden diese Unsicherheiten
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0:22:47 – 0:22:57
auch benannt. Es ist kein Zeichen von einem Fehler oder einer Schwäche, es ist eher ein Zeichen von
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0:22:57 – 0:23:08
Stärke, wenn man Unsicherheiten in der Messmethode, Unsicherheiten im Aufzählen von Fakten, von Wissen
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0:23:08 – 0:23:15
offen benennt. Und dann muss man sich auch immer fragen, wenn man der Meinung ist, man hat die
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0:23:15 – 0:23:24
absolute Wahrheit, gibt es Informationen, die die Meinung ändern könnten? Wenn die ehrliche Antwort
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0:23:24 – 0:23:34
ist, es gibt keine, ist es wohl eher eine Verteidigung einer Nicht-Wahrheit, sondern eher
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0:23:34 – 0:23:45
einer Meinung oder Identität, dass man gerne dieses Ergebnis hätte. Zum Schluss würde ich noch ein
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0:23:45 – 0:23:59
paar Gedanken teilen. Stichpunkt verantwortungsvoller Umgang mit der Wahrheit. Man muss nicht auf alles
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0:23:59 – 0:24:10
eine unumstößliche Antwort haben. Man sollte eher sauber trennen nach dem, was weiß ich,
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0:24:10 – 0:24:19
was vermute ich, was habe ich gefühlt, was habe ich gehört und man muss sich auch immer ehrlich
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0:24:19 – 0:24:29
sagen und auch fragen, weiß ich überhaupt alles und es ist keine Schande sich einzugestehen,
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0:24:29 – 0:24:38
wenn die Antwort heißt nein. Man kann nicht immer alles wissen und ich sehe das auch so,
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0:24:38 – 0:24:45
in den Bereichen, für die ich mich interessiere, was wir da für schnelle Fortschritte machen. Und
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0:24:45 – 0:24:55
vor ein paar hundert Jahren haben die Menschen geglaubt, die Erde sei eine Scheibe. Dann sind
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0:24:55 – 0:25:03
Menschen dafür gestorben, weil sie dann behauptet haben, die Erde sei eine Kugel, obwohl sie halt
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nachweisen konnten, dass die Erde keine Scheibe ist, sondern eine Kugel, weil sich so einfacher
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und besser erklären ließ, wie sich die Sterne am Himmel bewegen. Und als man die Erde nicht
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zum Mittelpunkt eines Sonnensystems machte, sondern halt an ihre Position setzte, wie
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wo sie heute ist, dann sind auch Menschen dafür gestorben, obwohl sie wussten, dass so noch besser
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zu erklären ist, wie sich die Sterne bewegen am Himmel, als wenn halt die Erde im Zentrum wäre und
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sich alles um sie herum bewegt. Diese Menschen hatten eine Wahrheit, aber die Allgemeinheit hatte
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eine andere Wahrheit und Oberigkeiten, also die Machtinhaber, hatten auch ihre Wahrheit und ihre
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Wahrheit durfte ja keine Lüge sein, denn dann hätte man bewiesen, dass woran sie glaubten oder dass die
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höhere Macht, an die sie glaubten, fehlbar sei und somit das gesamte Konstrukt in sich fehlbar wäre.
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Ja, schon ne üble Sache, oder? Und das haben wir immer wieder gehabt. Es gibt ja heute noch Leute,
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die glauben, dass die Erde eine Scheibe ist. Und alles andere eine Lüge. Und sie versuchen,
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mit wissenschaftlichen und physikalischen Experimenten zu beweisen, dass die Erde eine
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Scheibe ist. Und wundern sich dann selber, wenn die Experimente darauf hinweisen, dass die Erde
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doch nicht eine Scheibe ist. Dann muss das Experiment falsch sein. Oder ein Mistfehler
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Da haben wir schon so ein paar Punkte, mit denen wir die Vorhaben gesprochen haben,
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was ich aus Shadshibbit hier ausgelesen habe und Gemini und Grok. Wenn man sich dann dieses Wissen
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zu Nutze machen würde und sich die Fragen dazu stellen würde, könnte man darauf kommen,
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dass die Wahrheit, an die man glaubt, nicht unbedingt die Wahrheit ist, die Tatsachen
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entsprechen. Und mir begegnet in der Vergangenheit, vor allem auch in der jüngsten Vergangenheit,
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immer wieder, dass Wahrheiten erschaffen werden, die bei häufiger Wiederholung für andere auch
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zur Wahrheit werden und dann gar nicht so die tatsächliche Wahrheit im Vordergrund steht,
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sondern die Wahrheit, die verbreitet wurde, die für alle anderen wahr ist, aber nicht wahr sind.
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Das ist wie die Menschen, die an die flache Erde glauben. Es ist eine selbstbestätigende Gruppe
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von Menschen und da kannst du nichts machen. Aber ich hätte gerne noch mal eine Frage an euch,
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oder eher gesagt zwei Fragen. Wie viele von denen, was wir Wahrheit nennen, haben wir selbst geprüft
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und wie viel davon haben wir oft genug gehört? Das ist eine und die zweite wäre,
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wann wird aus eurem persönlichen Erleben eine überprüfbare Behauptung über die Wirklichkeit?
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Schreibt es mir mal in die Kommentare, welche Ideen ihr dazu habt und argumentiert das mal
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aus. Das würde mich ja echt interessieren. Das war schon, das sind jetzt über 30 Minuten
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irgendwelcher Schwafeleien von irgendeinem Volltrottel, der jede Menge Chatschibiti abgelesen
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hat. Danke an diese tolle, fantastische Technologie, ohne die ich nicht in der Lage wäre, auch
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nur einen Meter vor die Tür zu gehen. Ach, das bin ich ja schon so nicht. Tja, Witz,
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0:29:18 – 0:29:25
lass dich nicht erschrecken. Danke schön fürs Zuhören und Tschüss, bis zum nächsten Mal.
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Euer Sascha
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„Sag mir einfach die Wahrheit!“ – Ein Satz, den wir leicht aussprechen, der uns aber vor ein riesiges Rätsel stellt. Denn die Wirklichkeit passiert einfach – der Regen da draußen ist weder wahr noch falsch, er ist einfach da. Wahrheit entsteht erst dort, wo wir Menschen versuchen, diese Wirklichkeit in Sprache, Zahlen oder Modelle zu übersetzen.
In dieser Folge der Abscheifung nehmen wir den Begriff „Wahrheit“ methodisch auseinander. Warum sind mathematische Wahrheiten immer von Voraussetzungen abhängig? Warum bedeutet wissenschaftliche Redlichkeit nicht absolute Gewissheit, sondern das transparente Offenlegen von Messunsicherheiten? Und wo verläuft die Grenze zwischen unserem realen, subjektiven Erleben und einer intersubjektiv überprüfbaren Tatsache?
Wir dröseln auf, warum uns unser eigenes Gefühl manchmal täuscht, warum Konsens kein Ersatz für Belege ist und warum eine Aussage wörtlich wahr und trotzdem hochgradig manipulativ sein kann (Stichwort: Framing). Am Ende wartet ein fünfstufiger kritischer Werkzeugkasten auf dich, mit dem du Behauptungen im Alltag standfest prüfen kannst. Denn am Ende gilt: Verantwortungsvoller Umgang mit Wahrheit bedeutet nicht, auf alles sofort eine Antwort zu haben – sondern sauber zu trennen zwischen dem, was wir wissen, was wir glauben und was wir schlicht noch nicht wissen.

Themengliederung
1. Der Einstieg: Das Dilemma mit einem großen Wort
- Das Alltagsphänomen: Wie wir das Wort „Wahrheit“ täglich nutzen („Sag mir die Wahrheit“, „Wissenschaftlich bewiesen“, „Meine Wahrheit“).
- Wahrheit vs. Wirklichkeit:
- Die Wirklichkeit: Was unabhängig von uns existiert und passiert (z. B. der Regen).
- Die Wahrheit: Eine Eigenschaft unserer Aussagen, Zahlen und Modelle über diese Wirklichkeit.
- Der Begriffs-Check (Die Abgrenzung):
- Wahrheit: Übereinstimmung einer Aussage mit der Realität.
- Wissen: Eine wahre Aussage, die auf belastbaren Belegen (Evidenz) beruht – ohne den Anspruch absoluter Unfehlbarkeit.
- Gewissheit: Das rein persönliche Gefühl von Sicherheit (kann täuschen!).
- Ehrlichkeit: Sagen, was man selbst für wahr hält (schützt nicht vor Irrtum).
- Das Täuschungs-Spektrum: Die feinen Unterschiede zwischen Lüge, Irrtum, Falschinformation und Irreführung.
2. Block I: Logik, Voraussetzungen & Naturwissenschaft
- Mathematische Wahrheit (Die Welt der Systeme):
- Wahrheit durch logische Ableitung aus Axiomen.
- Das Dreiecks-Beispiel: Warum $180^\circ$ Winkelsumme auf einer flachen Ebene und $270^\circ$ auf einer Kugel kein Widerspruch sind, sondern von den Voraussetzungen abhängen.
- Der Nerd-Exkurs (Kurt Gödel): Warum formale Beweisbarkeit und Wahrheit selbst in der Mathematik nicht vollständig identisch sind.
- Physikalische Wahrheit (Die Welt der Modelle):
- Naturwissenschaft beweist nicht absolut, sondern sucht empirische Evidenz durch Messung und Experimente.
- Das Newton-Einstein-Beispiel: Theorien als vorläufig beste Annäherungen innerhalb bestimmter Grenzen.
- Die Messunsicherheit: Warum wissenschaftliche Redlichkeit bedeutet, Unsicherheiten transparent und messbar zu machen (Kriterium der Falsifizierbarkeit).
3. Block II: Der philosophische Werkzeugkasten
- Die drei Perspektiven auf Aussagen:
- Subjektiv: Das rein persönliche Erleben („Mir ist kalt“).
- Objektiv: Unabhängig von der Person geltend („Es sind 17 °C“).
- Intersubjektiv: Nach gemeinsamen Regeln für mehrere Menschen nachvollziehbar (Das Prüfen mit kalibrierten Thermometern).
- Die klassischen Wahrheitstheorien im Härtetest:
- Korrespondenz: Die direkte Übereinstimmung mit der Realität (Die Tasse auf dem Tisch – gemessen mit dem Theodoliten).
- Kohärenz: Die Widerspruchsfreiheit in einem System (Das Indizienpuzzle). Das Problem: Auch ein Kriminalroman kann perfekt logisch, aber frei erfunden sein.
- Pragmatismus: Die dauerhafte Bewährung in der Praxis. Das Problem: Ein Glücksbringer kann real beruhigen, ohne dass er übernatürliche Kräfte besitzt.
- Konsens: Die Einigung vernünftiger Parteien unter idealen, zwangsfreien Bedingungen (Konsens als Hinweis, nicht als Ersatz für Belege).
4. Block III: Alltag, Medien & gesellschaftliche Macht
- „Meine Wahrheit“ vs. Interpretation: Warum Gefühle (wie Angst in der Nacht) als Erleben real sind, die Interpretation ihrer Ursache (die Katze vs. der Einbrecher) aber trotzdem falsch sein kann.
- Soziale Konstrukte (Institutionelle Wirklichkeit): Warum Dinge wie Geld, Grenzen oder Eigentum nicht aus bloßer Fantasie existieren, sondern weil wir sie institutionell absichern und kollektiv danach handeln.
- Juristische vs. Historische Wahrheit: Das Auseinanderfallen von dem, was tatsächlich geschah, und dem, was in einem Gerichtsverfahren nach strengen Regeln als erwiesen gelten darf (z. B. Freispruch aus Mangel an Beweisen).
- Framing (Die manipulative Wahrheit): Warum man nicht explizit lügen muss, um die Wahrheit zu verdrehen (Das Beispiel der „100%igen Steigerung“ von 1 auf 2 Fälle).
- Wahrheit und Macht: Wie Machtstrukturen beeinflussen, welche Versionen der Wirklichkeit öffentlich sichtbar, verbreitet und gesellschaftlich anerkannt werden.
5. Das Finale: Der kritische Werkzeugkasten für die Praxis
- Die 5 Prüffragen für den Alltag:
- Was für eine Aussage ist das? (Tatsache, Meinung, Gefühl, Interpretation oder Prognose?)
- Wie lässt sie sich prüfen? (Gibt es Daten, Dokumente oder intersubjektive Verfahren?)
- Wie verlässlich ist die Quelle? (Gibt es Eigeninteressen oder eine unabhängige Bestätigung?)
- Welche Unsicherheit bleibt? (Wurden Lücken offen benannt?)
- Welche Information könnte meine Meinung ändern? (Der Test gegen den eigenen Confirmation Bias).
- Schlussgedanke: Ein Plädoyer für das saubere Trennen im eigenen Kopf: Was weiß ich? Was vermute ich? Was habe ich gefühlt? Und wo muss ich ehrlich sagen: Ich weiß es noch nicht.
- Interaktion / Call to Action: Die Abschlussfragen an die Hörer zur Diskussion in den Kommentaren.
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Mitwirkende dieser Episode
Spieldauer: 0:33:47
Tag der Aufnahme: 19.07.26
Diese Folge stammt aus der Staffel 4, es gibt insgesamt 4 Staffeln.
Eine LautFunk Publikationskartell Produktion - Wo Geschichten unüberhörbar übermittelt werden.
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