Wie toxisch sind soziale Netzwerke?

“Gegen Hass und Neid gibt es einen Impfstoff. Er heißt Nächstenliebe.”
Stefan Wittlin (*1961), Schweizer “Medicus-Canis”, Kynologe-Hundetherapeut, Tierpsychologe, Buchautor und Kolumnist

8 min read

In den vergangenen Wochen habe ich mich immer wieder gefragt, wie toxisch sind soziale Netzwerke in Umgang der Benutzer untereinander.

Ich habe das Kommentar-Verhalten analysiert unter verschiedenen Berichten, Beiträgen, Einträge und Videos Postings in verschiedenen Netzwerken.

Dabei ist mir aufgefallen, dass es in verschiedenen Netzwerken unterschiedliche Kommentar Kulturen gibt, die je nach Nutzergruppe völlig unterschiedlich sind.

Facebook

Nehmen wir zum Beispiel Facebook, je nachdem in welcher Gruppe oder auch Blase man sich dort befindet, gibt es total unterschiedliche Reaktionen auf ein Posting. Sicher ist, es ist eine Frage des Themas, aber es geht hierbei um etwas anderes.

Wenn ich in einem Artikel der Frankfurter Allgemeine etwa über irgendeinen Coronabeschluss lese und darüber meine Meinung bzw. einen Kommentar abgebe und in diesem beispielsweise schreibe, dass ich das in Ordnung finde, habe ich direkt mit einem Riesen Shitstorm Zutun. Und zwar von Leuten, die gegen diese Bestimmungen sind, oder auch gar nicht an Corona glauben. Dies kann mit unter nicht schön werden und mit vielen Beleidigungen einhergehen.

Genauso kann es passieren, dass es einen Haufen Beifall für die eigenen Gedanken gibt, von Leuten, die derselben Meinung sind. Es kommt immer darauf an, in welchem Umfeld man sich dort bewegt. Bewegt man sich in der eigenen Blase, ist alles gut und schön aber kommt man an den Rand der Blase und berührt andere Blasen, dann wird es toxisch. Besonders dann, wenn man gegen die Meinung ist, die in der anderen Blase herrscht.

Twitter

Bei Twitter ist es generell schwierig. Dort gibt es einen ziemlich selbstgefälligen Ton. Ich glaube, viele der Autoren sitzen zu Hause vor ihrem Computer, ihrem Handy und sind der Meinung, das sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Außerdem verfassen sie genau in dieser Art ihre Texte. Nämlich kurz und knapp. Ziemlich böse, wobei böse eigentlich nicht das richtige Wort dafür ist. Boshaft und mit einer tödlichen Präzession trifft es eher. Ich glaube das Twitter Benutzer mit unter am längsten an ihren Texten arbeiten, damit diese präzise sitzen.

Twitter ist sowieso ein Ort für Zynismus, für blanken Zynismus oder aber auch, um Informationen schnell und unkompliziert weiterzuverbreiten. Wenn ich ein Problem mit einer Firma habe, schaue ich, ob diese Firma einen Twitter-Account hat. Dort reagieren die Firmen fast immer schnell, das hat auch so seine Vorteile.

TikTok

Besonders negativ ist mir hierbei die Plattform TikTok aufgefallen. Aber vorher möchte ich noch mal auf ein anderes Video, Portal oder Plattform eingehen. Und zwar YouTube. In YouTube merkt man genau den unter Altersunterschied die verschiedenen Nutzer. Man bekommt viele boshafte Kommentare von dem jüngeren Publikum. Es wird auch gerne mal einem unterstellen, man sollte sich waschen oder die Haare schneiden lassen oder man sei so Fett, das man ja schon nicht mehr durch die Tür passe.

Aber im Großen und Ganzen, wenn man jetzt nicht unbedingt Videos macht für ein jüngeres Publikum, sondern für ein älteres, halten sich solche Kommentare in Grenzen und man bekommt viel konstruktive Kritik, aber auch viel Lob.

Aber TikTok ja, das ist eine ganz andere Baustelle. TikTok gibt an, dass 66 % der Nutzer unter 30 sind und ich würde sogar sagen, dass mindestens 50 % davon unter 18 Jahren alt sind.

TikTok ist ein Portal oder eine Plattform, mit der man Videos mit kurzer Laufzeit oder Spielzeit konsumieren und erstellen kann. Es gibt aber auch die Funktion eines Livestreams. Man kann sich kreativ vollkommen ausleben, sei es mit konstruktiven kritischen Inhalten oder einfach kurzweiliger lustiger Unsinn. Und das macht diese Plattform so interessant.

Ähnlich wie auf Twitter gibt es quasi eine Limitierung. Am besten laufen Videos mit einer kurzen Spielzeit von 15 Sekunden. Es ist auch möglich, dass man Videos erstellt, die 60 Sekunden lang sind. Seit Neuestem ist dies auch mit einer Aufnahmezeit von 180 Sekunden möglich. Diese längeren Videos laufen aber wesentlich schlechter, aber sie werden auch gesehen.

Man muss sich nur über eines im Klaren sein, nämlich dass die meist jüngeren Zuschauer alle sehr spitze und boshafte Zunge haben. Und an allem, was nicht der Norm entspricht, etwas auszusetzen haben. Sei es ein Dialekt, das Aussehen, die Frisur oder dass man ein Wort merkwürdig ausspricht. Alles wird bis ins kleinste Detail einem vorgehalten und dies wird mit wirklich harten Hass und mit Beleidigungen unter der Gürtellinie kundgetan.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, wo auch positive Reaktionen oder auch konstruktive Kritik gegeben wird. Aber das ist eher selten der Fall. Und wenn, sticht dies nicht hervor. Denn die gewaltige Welle an Hass und Intoleranz ist auf TikTok einfach zu groß.

Ähnlich wie in Twitch und YouTube kann man in TikTok auch live gehen. Hier ist es dasselbe, man bekommt wirklich einen Haufen und nicht schöne Kommentare zu hören bzw. zu lesen. Und geht man auf diese nicht ein, wird sich noch darüber aufgeregt, dass diese Sachen ignoriert werden. Wenn ein Stream sagen wir mal, mit 600 Zuschauern beginnt, kann man oft erst dann vernünftig mit den Leuten sprechen, wenn die Anzahl an Zuschauern auf unter 40 gesunken ist…

Das ist schon ziemlich traurig und mir als jemand, der schon öfters auf YouTube live gewesen ist, war das völlig unbekannt, das es in solchen Ausmaßen solche Kommentare gibt.

Twitch

Auf Twitch ist es auch wieder anders. Es ist so ein bisschen wie TikTok, aber auch ein bisschen wie YouTube. Die Kommentare sind überwiegend freundlicher, natürlich gibt es da hin und wieder mal jemanden, der etwas zu meckern hat oder auch gerne mal einen blöden Kommentar schreibt. Auf den Kommentar antwortet, aber dann der intelligente Filter, den es bei Twitch gibt. Dieser macht es zum Beispiel möglich, Beleidigungen oder sexuelle Anspielungen sofort herauszufiltern und diese beispielsweise zu löschen oder den Benutzer zu sperren.

Dies macht das ganze Etwas angenehmer, wenn man dort streamt und es eine Moderation gibt, die automatisiert Schimpfwörter erkennt und quasi dieser rechte gibt zum Handeln oder auch einen Menschen entscheiden lässt (einem Moderator) oder auch den Content Ersteller selbst, ob das jetzt durchgeht oder halt gesperrt wird.

Ein paar Gedanken dazu

Jetzt habe ich eine Reihe von sozialen Netzwerken und Möglichkeiten, sich künstlerisch im Internet zu präsentieren vorgestellt und auch die vor und Nachteile, die diese Plattformen zu bieten haben. Und habe auch mit dem Umgang von Hassrede oder auch Beleidigungen im Netz berichtet.

Ich glaube schon. Dass es heutzutage wesentlich unangenehmer geworden ist, sich im Internet zu präsentieren wie noch vor zwanzig Jahren. Denn der Zugang ist heute so einfach wie noch nie. Man kann zu Hause sein, in seinem Kämmerlein sitzen, miteinander reden mit dem Smartphone in der Hand. Kann dort seinen Frust, Unmut oder auch den blanken Menschenhass in die Welt hinaus blasen.

Da waren vor 20 Jahren die Möglichkeiten noch nicht so gegeben. Und der Zugang zum Internet. Schon etwas schwieriger. Damals hatte nicht jeder das Internet in der Hosentasche und wenn, war es so teuer, dass sich das kaum einer leisten konnte.

Für mich ist gerade in den letzten Monaten vielleicht auch wegen der Pandemie und den Frust, den so viele Leute aktuell haben, bewusst geworden, das das Internet, besonders aber die sozialen Netzwerke sehr toxisch geworden. Gerade im Umgang miteinander. Die Haut der Leute ist irgendwie viel dünner geworden. Und es kommt schneller zu Konflikten und Missverständnissen und daraus resultieren dann Angiftungen und Anfeindungen.

Ich merke es ja selbst, und ich bin jemand, der wirklich wenig herausgeht. Mich betreffen diese Pandemie bedingten Regelungen und Verhaltensweisen recht wenig. Und selbst bei mir stelle ich fest, dass meine Haut immer dünner wird und ich viele Leute deswegen auch einfach gesperrt habe. Selbst Leute, die ich schon seit mehreren Jahren auf Facebook verfolge, sind zurzeit bei mir stumm geschaltet, weil ich einfach das, was sie zu sagen haben, nicht ertragen kann.

Mein Fazit

Also mein Fazit ist, die soziale Netzwerke sind zurzeit sehr toxisch. Warum denke ich das? Zum einen wird das haten, also das Versenden von Hass Kommentaren eher schon als Gruppen Event gefeiert und zum anderen gibt es absolut kein schuld Verständnis. Wenn man wegen der Beleidigungen im Chat blockiert wird, kommen diese Nutzer über andere Profile oder auf anderen Plattformen wieder. Wo man sich dann die Arbeit macht, diejenigen zu finden, der sich darüber beschwert hat, dass man gesperrt wurde. Und das man doch wider entsperrt werden möchte, weil man und ich zitiere jetzt “nichts gemacht hat”. Das ist etwas, das man wirklich sehr oft zu lesen bekommt.

Des Weiteren kann man sich nicht vorstellen, wie oft man dasselbe gefragt wird. Und wenn man diese Fragen dann übersieht, dann wird sich beschwert, dass man es ignoriert. Aber würde man dies nicht tun, könnte man keinen sinnvollen Inhalt darbieten. Da man immer dieselben 3 bis 6 Fragen Beantworten muss. Es fehlt da wirklich jedes Verständnis, das diese fragen, gefühlt jede Minute gestellt werden, obwohl man diese schon hundertfach beantwortet hat. Und aus diesen und auch noch vielen weiteren Gründen sind soziale Netzwerke toxisch.

Wie sieht ihr das? Und was habt ihr für eine Meinung darüber? Ich würde das gerne erfahren, also schreibt es mir doch in die Kommentare, ich würde mich darüber sehr freuen.

Euer Sascha

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Autor: Sascha Markmann

Legastheniker am Werk (Mehrfaches lesen meiner Postings kann zu irreparable Schäden an den Augen führen z. B.. Pseudotumor-zerebral-Syndrom) Leicht gestörter bis Mittel schwerer Fall von Überlebens Künstler, Maler, Blogger, Musiker, Podcaster und Video Produzenten "Audiovisueller STUMPFSINN mit keinem Nutzwert"

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